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Die Rolle #1



INHALT

Blog Die Rolle

Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Analyse als Voraussetzung

Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Das Kapital

Vom deutschen Unwesen

Bittere Ironie: Die alte neue Unordnung Osteuropas

Fernöstliche Erkenntnis

Missglückter Mahnruf

Aus großer Zeit: Das fehlende Kapitel in der Autobiografie eines deutschen Kolonialhelden

TOD UND HASS FÜR PARAGUAY!

Qed

Logik - Endstufe

Woody

Ode an den Biergarten-Gadofflsälod

Fräiherbschd

Die Wahrheit über polnische Wildkaninchen

Der Völkerverhau

Sommergedicht

Kurzsichtig

Schön ist die Jugendzeit (2015)

Nülnbülg glübül

High Noon - Remake 2015, natürlich in 3D

Verzögerungstaktik - zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945

Antisemitismus ...

Raus!

Bahnhofsplatz im Dunklen

Zugvögel

Satanische Ferse

Rassig

Il silenzio

Eine ganz kurze Geschichte

In Memoriam Prof. Bernhard Grzimek (1909 - 1987)

Die letzte Waffe

Das Ende vom Anfang

Die Lektion

Geografisches Gedicht

Fundamentaler Blödsinn

Eiszeit

Betrachtungen anlässlich der Auslobung von zwei vierwöchigen Stifter-Stipendien für bayerische Autoren in Oberplan (Südböhmen) durch den Adalbert Stifter Verein

Mitsprache

Postkartentext (1911)

Gedanken zur Erinnerungskultur

So gesehen ...

Das Ende der Welt

Crisis? What crisis?

Angeber

Däi Rou (Nürnberger Dialektdialog eines Ehepaares am offenen Fenster)

Der Zettel am Kühlschrank

Drauä (Nürnberger Dialektdialog eines Ehepaares am offenen Fenster)

Provinz-Primadonna

10 knorrige Wörter (Ein Tribut an Monty Python's)

Haltet den Dieb! Ein Sketch, zu spielen auf jeder beliebigen Polizeiwache

Automobile Völkerkunde

So ein Zufall

Hommage an Karl Valentin

Für Juliane

Trilemma

Tatsache

Ätsch

Ganz sicher

Kommunikative und soziale Evolution im Verhältnis der Geschlechter am Beispiel der Ansage eines deutschen Mannes zu seiner deutschen Frau beim Verlassen des Biergartens, ausgehend von einem Originalzitat

Vogelwild

APO 2016

... und Freiheit!

Der Störenfried (1982)

Das Licht verloschener Sterne

Der Sinn des Lebens - ein Versuch

Eine stolze Mutter mit ihrer Freundin beim Blick in den Kinderwagen

Dauergedudel

Herbstabend auf der Wöhrder Wiese (2011)

Gefühlsspeicher (im Kulturgarten auf der Stadtmauer)

Einzelzimmer (1987)

Lang danach

Theresia (2009)

Das Ziel

Irrweg

Manipulation durch Angst

Nach 77 Jahren nichts dazugelernt

Verpasster Naturschutz

Präsumptives Denken

iCommunication 2016

Ernsthaft

Trost im Alter

Idee für den Anfang eines Nürnberger Lokalhorrorromans (verworfen)

Einfache Prophetie

Die Rache des Dichters

Ein Missverständnis

Kulturtransfer

Afrika

Eine neue Erfahrung

Kopfgeburt

Semper scriptor

Ultrakurzgeschichte für skeptische Kinder

Immer gut beschäftigt

Vom Sinn der Syntax

Voll daneben

Mensch & Tier

Hilfsbereit

Abgründe der Kommunikation

Pasta al morte (melancholischer Anfall beim Kochen)

Strafe muss sein

Untermittelhochtiefdeutscher Trinkspruch

Bardentreffen Nürnberg (2017)

Bleib mir bloß weg!

Notwehr

Lorenz und die Teufelsmaß

Ich weiß nicht ...

Moderne Romanze

Sprachpflege

Lakonisches Idyll

Willkommen in Deutschland!

Strange Encounter - even very strange ...

fallervSparch

Gastro-Tipp

Post-Pazifismus

Beim Anwalt

Das kürzeste konkrete Gedicht aller Zeiten (für Eugen Gomringer)

Kampfruf

Heißkalt (eine wahre Geschichte)


Tag: #Inhalt

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Letzter Eintrag

 

Autor: Gerhard Jochem
Datum: 07.10.2017
Titel: Heißkalt (eine wahre Geschichte)

Diese unglaubliche Story hat mir neulich ein guter Bekannter erzählt. In diesem Zusammenhang sagt gut nichts über Charakter, Aussehen oder Bonität aus, sondern dass er eine verlässliche Quelle ist bzw. die Sache nicht wirklich witzig wäre, wenn er sie erfunden hätte.

Zum Zeitpunkt des Geschehens arbeitete er an der Kasse eines Supermarkts. Es war ein brodelheißer Hochsommertag und die Schlange der Zahlungswilligen zog sich endlos hin, nicht wegen der Langsamkeit meines Informanten, vielmehr verursachte der schiere Andrang das schweißtreibende Warten.

Unter den Kunden befand sich ein auffallend unauffälliger Vertreter des Mittelalters, der sich die Tortur für eine Kleinigkeit, sagen wir eine Dose Cola, antat. Sein einziges optisches Alleinstellungsmerkmal war der breitkrempige, etwas zu große, weiche schwarze Hut, den er trotz der Hitze auf dem rot leuchtenden Kopf trug, nein, eher wackelnd jonglierte.

Der Mann entpuppte sich als wandelndes Überraschungsei, als er plötzlich in sich zusammensackte wie ein Sack nasser Kartoffeln - oder ein nasser Sack Kartoffeln? - daher jedenfalls das für den Vorgang äußerst passende Verbum, nicht spektakulär hart aufschlug, seine Gliedmaßen aber dennoch effektvoll verdreht auf den abgewetzten maisgelben Fliesen verteilte.

Da lag er nun, wie tot, zum allgemeinen Schrecken. Belebt wurde die Szene durch das, was unter der im Zusammenbruch heruntergefallenen Kopfbedeckung zum Vorschein kam: ein tiefgefrorenes, in Plastikfolie eingeschweißtes Hähnchen. Er war also ein inkonsequenter Hühnerdieb, der sich durch einen Kälteschock mit konsequentem Kreislaufkollaps entlarvte.

Der weitere Verlauf der Affäre ist unbekannt, weil mein Bekannter beim Anblick einer vorbeilaufenden Rothaarigen den Faden verlor, dann das Thema wechselte und ich sträflicherweise nicht nachhakte. Aber gut so, denn auf diese Weise bleibt Schreiber und Leserschaft Raum für ihre Phantasie: Was wurde aus Dieb, Hut und nacktem Geflügel? Wer landete vor Gericht, am Kleiderhaken oder wieder in der Kühltheke? Und - am allerwichtigsten: Was ist die Moral von der Geschicht'? Vielleicht, wer sein Hirn illegal mit Gefrorenem malträtiert, braucht für den Spott nicht zu sorgen, besitzt aber erheblichen Unterhaltungswert im graugrünlich muffigen Großstadtalltag?

Bis jemand etwas Besseres einfällt, können wir diese verwirrende Message von hier mitnehmen. Wobei ... - dieselbe Nummer mit einem ganzen Truthahn wäre noch krasser gewesen.


Tag: #119

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 22.09.2017
Titel: Kampfruf

Das Abendland muss ländlich bleiben - gerade am Abend!


Tag: #118

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 22.09.2017
Titel: Das kürzeste konkrete Gedicht aller Zeiten (für Eugen Gomringer)

L_cke


Tag: #117

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 22.09.2017
Titel: Beim Anwalt

Der Prophet Mohamed kommt zum Anwalt, eine Ente auf dem Kopf.

Sagt der Anwalt: Ich sehe, sie haben ein Problem. Wie kann ich ihnen helfen?

Sagt die Ente: Ich will mich scheiden lassen. Wegen seinem Gemekka fliegen wir aus jeder Kneipe und sein Stockschnupfen nervt, dauernd "Dschihad, dschihad!".


Tag: #116

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 22.09.2017
Titel: Post-Pazifismus

Der sanfte Schametterling durchbricht die harte Mauer aus Stein - wenn man ihn an einen Marschflugkörper klebt.


Tag: #115

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 22.09.2017
Titel: Gastro-Tipp



Der rustikal-gemütliche Landgasthof La Latrina im idyllisch direkt an der A9 gelegenen Weiler Stech-Muggental im Wichtelgebirge bietet, wie der Name schon sagt, bodenständig fränkisch-usbekische Küche, z.B. Warzenschwein-Schäufele Hawaii, süßsaure Hamsterbratwurst und Karpfen Grünblau mit Fliegen. Zum Nachtisch gibt es eine breiartige Substanz namens Razpuzcaracho, von der nicht einmal der Koch genau sagen kann, was sie enthält. Zur besseren Verdauung empfehlen wir ein Gläschen des selbstgebrannten Rohrreinigers oder eine Darmspülung im nahen Kreiskrankenhaus.

Neben dem urigen Sperrmüllambiente sprechen auch die günstigen Preise - abhängig von den Sonderangeboten beim Aldi - für einen Wochenendausflug in diese Bruchbude mitten in der gottverlassenen, zeckenverseuchten Nadelholzhügelei an der Zonengrenze.

Die Wirtsleute Turnshu und Wally Kokhtovijev, die ihre Gäste gerne mit zentralasiatischen und oberfränkischen Volksweisen auf der Maultrommel unterhalten, freuen sich auf Ihren Besuch!


Tag: #114

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 20.08.2017
Titel: fallervSparch

Zuerst die durcheinander. geraten Wörter

lenspie rücktver. benSil die Dann

benstaBuch ilchSchleiß edi hender churd.

!soahC selatot aj ethcsrreh tsnos

,tbaheg kcülG lamhcon

- nie gnundrO redeiw trhek tzteluz hcoD


Tag: #113

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 20.08.2017
Titel: Strange Encounter - even very strange ...

Sabines Vater lebte in einem Seniorenwohnstift, das auf unserem Nachhauseweg lag, wenn wir uns nach der Arbeit im Biergarten trafen. Deshalb hatten wir uns angewöhnt, ab und zu durch diese Straße heimwärts zu laufen, einerseits weil es dort ruhig war, andererseits da wir festgestellt hatten, dass sich das Personal nicht pflichtgemäß um die Voliere kümmerte, die zur Unterhaltung der Bewohnerschaft gleich am Eingang stand: Die darin kasernierten Kanarienvögel, Wellensittiche und Zebrafinken waren wegen der Nachlässigkeit der Angestellten häufig einer 24h-Lichtfolter ausgesetzt wie abgeschossene US-Piloten während des Vietnamkriegs im Hanoi Hilton, obwohl die passgenaue dunkle Decke mit Velcro-Verschlüssen zur Herstellung tageszeitgemäßer Verhältnisse griffbereit in einem Schrank beim Käfig verstaut war.

So auch an diesem Abend. Sabine entschied sich beim Blick durch die Glaswand auf die zu unangemessener Zeit immer noch piepfiedelen Vögel zur Selbsthilfe, ich bewachte draußen ihr Fahrrad.

Während ich ihr bei der routinierten Verdunklungsaktion zuschaute, die bei den Tieren immer zu einer gewissen Irritation führte - Was hat dieser Mensch mit uns vor? -, fuhr hinter mir dezent knirschend ein Auto vor. Ich schenkte dem gewöhnlichen Vorgang keine weitere Aufmerksamkeit, bis in meinem Augenwinkel ein kräftiger junger Mann in makellos weißem Hemd und schwarzem Anzug mit schwarzer Krawatte und ebensolchen adretten Stoppelhaaren auftauchte. Am Fahrzeug wurde derweil hörbar die Heckklappe geöffnet und ein raschelnder Gegenstand herausgezogen. Ich sah über meine Schulter: Da stand ein Leichenwagen, aus dem der Kollege des Anzugträgers gerade einen zusammengerollten Body Bag holte.

Plopp! - Die wohlige Seifenblase aus lauer Luft und Bier, die bis dahin diesen Sommerabend eingehüllt hatte, war geplatzt. Ungewohnt geistesgegenwärtig erfasste ich die Situation:

Wollen Sie hier rein?

Die Tür war verschlossen und ließ sich nur von innen oder mit der Plastikkarte öffnen, die Sabine als Angehörige besaß. Ich klopfte an die Scheibe und machte ihr Zeichen, sie solle die Bestatter hineinlassen.

Oh, das ist aber sehr nett von Ihnen, da müssen wir nicht bei der Nachtwache klingeln und draußen warten, bis sie kommt - vielen Dank!

Die Freundlichkeit des Mannes war nicht geschäftsmäßig aufgesetzt, sondern ehrlich, auch sein gewinnendes Lächeln.

Ich wäre in diesem Moment gerne einer der Kanaris unter ihrer Abdeckung gewesen, um diesen surrealen Sketch nicht zu Ende spielen zu müssen.

Nichts zu danken. Einen schönen Abend noch ... - ich meine, alles Gute!

Unbedingt wollte ich die Wendung auf Wiedersehen vermeiden, denn das war ohnehin unvermeidlich, nur hoffentlich erst mit seinem Ururgroßenkel als Nachfolger im traditionsreichen und krisensicheren Familienunternehmen.

Vermutlich hatten öfters Leute dieses Problem mit ihm, denn er schmunzelte.

Ihnen auch!

Auf der restlichen Strecke zu unserem Haus war ich - wiederum untypisch - recht einsilbig - und froh, dass ich und das bunte Mini-Geflügel lebten und morgen ein neuer Tag bzw. eine gestresste Pflegekraft die Decke wieder von unserem schützenden Gefängnis nehmen würde, damit wir noch eine Weile weiterzwitschern
.


Tag: #112

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.08.2017
Titel: Willkommen in Deutschland!

Das BAMF zu Nürnberg. Durch die Drehtür wird ein weiterer Bewerber (B) in das Büro des gutgelaunten Entscheiders (E) gewirbelt.

E: Heroinspaziert, wenn's kein Drogendealer oder Gefährder ist. Name, Herkunft, Verfolgungsgrund?

B: Hannibal junior, Nordafrika, Religion.

Der innerhalb von drei Tagen angelernte Angestellte (Vorqualifikationen: Besitz einer Kinder-Weltkarte und das häufige Lösen von Kreuzworträtseln) schaut auf seinen Monitor.

E: Aber hier steht, Ihre Muttersprache ist Albanisch?

B: Ich wurde auf der Flucht in Albanien geboren.

E: Auf der Flucht vor wem?

B: Den Römern.

E: Welchen Römern?

B: Scipio Africanus und seinen Legionen, natürlich.

E: Herr Hannibal, Sie behaupten also, dass Sie sich seit dem Dritten Punischen Krieg [149 - 146 v. Chr. - d. Red.] auf der Flucht befinden?

B: Nö, nicht ich, meine Familie.

E: Seit 700 Generationen?

B: Äh, tja, ja ... - brauchen Sie einen Teppich?

E: Was? Nein, ich brauche keinen Teppich.

B: Haben Sie Kinder?

E: Wieso?

B: Wenn Sie Kinder haben, brauchen Sie unbedingt einen Teppich, weil die machen sonst das Parkett kaputt.

E: Ich habe keine Kinder.

B: Dann haben Sie wohl auch keine Frau? Hhm, traurig, ein starker Mann wie Sie ... - ich kenne da ein paar süße Mädchen aus Albanien, und sooo schön, wenn sie frisch rasiert sind.

E: Schluss damit, das hier ist eine amtliche Anhörung. - Was hat Ihre Geschichte mit religiöser Verfolgung zu tun?

B: Die humorlosen Römer haben uns damals Menschenopfer verboten. Dabei war das gerade für die Kinder an Weihnachten immer so ein Spaß. Und dann haben sie ganz Karthago plattgemacht und Salz auf die Ruinen gestreut - total krass!

E: Aber das war vor fast 2200 Jahren! Heute sind Sie doch nicht mehr in Gefahr - zumindest wenn Sie auf Menschenopfer verzichten.

B: Weiß man's? Römer gibt es immer noch. Was wird aus mir, meinen 14 unverheirateten Schwestern - wollen Sie ihre Telefonnummern? - meiner tauben Mutter und meinem buckligen Vater, wenn die den Vierten Punischen Krieg anfangen? Sie kennen doch den ewigen Spruch: "Ceterum censeo Carthaginem esse delendam."

E: Selbstverständlich, ich habe schließlich mein Abitur aus Neukölln: Ist von Plato, dem alten Schweden. - Von uns war auch mal einer da unten. Rommel hieß der, ein tadelloser Soldat, in den 1940ern. Kennen Sie den?

B: Nö, da waren wir schon weg aus der Gegend.

E: Über den kam mal was im Fernsehen. War so eine Friedenssicherungsmission der Bundeswehr - gegen die Engländer, diese Verräter ...

Der Entscheider schaut nachdenklich zum Fenster hinaus und stutzt.

E: Gehört Ihnen der schwarze SUV mit den albanischen Kennzeichen da unten auf dem Parkplatz?

B: Welchen meinen Sie? Ach so, der, hehe, ja, vielleicht ... - ich habe ihn gegen ein Dutzend Elefanten eingetauscht.

E: E-le-fan-ten?

B: Unsere Sippe lebt seit der Vertreibung aus Chicago ...

E: Karthago.

B: Richtig - von der Elefantenzucht.

E: In Albanien?

B: Sehr kärglich, oben in den Bergen. Ganz kleine Elefanten, geben wenig Milch, vor allem die Bullen. Im Sommer treiben wir sie auf eine Alm.

Der Entscheider schweigt und tippt kopfschüttelnd etwas in seinen Computer. Schweißperlen stehen auf seiner Stirn. Danach wendet er sich wieder seinem Kunden zu:

E: Herr Hannibal, ich will ganz offen zu Ihnen sein: Ihr Asylantrag hat null Chancen.

B: Vielleicht doch einen Teppich? Handgeknüpft aus Usbekistan, da haben wir auch Verwandte. Ich mache Ihnen ein unschlagbares Angebot und lege noch eine meiner Schwestern drauf, oder sogar zwei, die beiden Blonden, wo man den Bart nicht so sieht. Hahaha, Sie verstehen: Ich lege sie Ihnen auf den Teppich drauf ...

E: Ihre wiederholten Bestechungsversuche habe ich überhört. - Was heißt auf Albanisch "Hasta la vista, Baby"?

B: Scheiße - der heilige Swastopluk von Gorenje und der Prophet seien mir gnädig! Daran ist nur dieser verdammte Trump schuld.

Der Entscheider, ein treuer Spiegel-Leser, wird hellhörig.

E: Donald Trump?

B: Klar, der und die Juden! Die haben schon hinter den Punischen Kriegen gesteckt: zionistische Imperialisten, verfluchte semitische Kreuzritter! Dabei denkt keiner an die kleinen unschuldigen Bergelefanten mit ihren putzigen Glöckchen: pling, pallaping, plong ... - seit Jahrtausenden um den Globus gehetzt, heimatlos, entwurzelt, traumatisiert!

Der Bewerber bricht schluchzend zusammen. Der Entscheider ergreift tröstend seine Hand.

E: Trump und die Juden verfolgen albanische Bergelefantenzüchter - das klingt plausibel. Herr Hannibal, Sie hören von uns.


Tag: #111

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.08.2017
Titel: Lakonisches Idyll

Der Dichter
namens Richter
ist ein schlichter

kein Vernichter
mehr Verzichter

auf Schnickschnack
und Hickhack

drum erfolglos
jedoch sorglos

denn seine Frau
schafft am Bau

als Gipserin
sie trinkt gern Gin

so reicht das Geld
für Zweimannzelt

Raviolidosen
und tomatensoßen-
rote Rosen


Tag: #110

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.08.2017
Titel: Sprachpflege

Der wildstrubbelige Satz lag vor mir auf dem Blatt und glotzte mich an. Als sich ihm mein Stift zur Korrektur näherte, begann er zu knurren und schnappte mit einem Adverb nach mir. Um ihn abzulenken, fügte ich hinter ihm eine Parenthese ein. Solange er sie neugierig beschnupperte, kreuzte ich ihm ein zu blümerantes Adjektiv heraus - ha!

Er reagierte gereizt, drehte sich einmal um die eigene Achse und spreizte kampfbereit seine Kommata gegen mich. Noch nie hatte sich eines meiner Konstrukte so vehement gewehrt, aber ich musste ihn striegeln, entwurmen, ondulieren und coupieren, sonst würde mein Lektor dasselbe mit mir machen, was sicher sehr wehtat.

Unter vielen Mühen kam ich zum Ziel: Ich befreite den Satz von lausig juckenden Partizipien und seifte ihn stattdessen mit üppig duftenden Konjunktionen ein; das schien ihm zu gefallen, denn er streckte sich und kräuselte seine Pronomina, als ob er dabei eine angenehm kribbelnde Gänsehaut bekam.

Haarig wurde es nur noch einmal, als ich das Tempus von einem hysterisch plappernden Präsens ins gemächlich plätschernde Präteritum änderte. Aber letztlich ließ er sich auch das gefallen, denn ich entschädigte ihn mit einem rätselhaften Fragezeichen statt eines beliebigen Punktes als Abschluss - das war spektakulär und sah aus wie ein triumphal hochgestellter Ringelschwanz.

Ich betrachtete das Ergebnis meines Kampfes um Klar-, Wahr- und Schönheit der deutschen Sprache: Der jetzt flüssig lesbare, rhythmisch makellos schnurrend wurrende Satz und ich waren zufrieden.

Kurz darauf strich ich ihn, obwohl er dabei entsetzt aufjaulte. Ohne diese unnötige, gekünstelt wirkende Abschweifung gewann die Geschichte ungemein an Stringenz und Tempo.


Tag: #109

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.08.2017
Titel: Moderne Romanze

Ihr Abend fand einen spektakulären, aber so nicht geplanten Abschluss, als die Barry-White-CD im Wort satisfied bei eieieiei hängen blieb, sich der Gastgeber beim versuchten Hechtsprung zum High-End-Retro-Player mit seiner bereits heruntergelassenen Hose an der Armlehne der Designercouch (weißes Rindsleder) verhedderte und einen offenen Unterschenkelbruch zuzog, woraufhin seine Gästin den zuvor reichlich genossenen lauwarmen Prosecco gurgelnd über den nierenförmigen Glastisch auf den Flokati kotzte.

Die Wartezeit auf die Sanitäter vertrieben sie sich damit, ein Foto der Wunde inklusive der geborstenen Knochen zu machen und es bei WhatsApp zu posten.


Tag: #108

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.08.2017
Titel: Ich weiß nicht ...

Was soll es bedeuten - wenn ich beim Blick aus dem Fenster auf die andere Seite der Straße die eine Frau immer nur das Haus betreten, aber nie verlassen sehe?

Die simple Lösung - reiner Zufall - ist mir definitiv zu banal und langweilig. Ich nehme lieber an, es ist nicht die Gleiche, sondern die Selbe, also jeweils eine identische Reproduktion, ein Klon. Das Gebäude würde sich allmählich mit diesen Kopien, nur unterschieden durch ihre Kleidung, füllen, bis sich ihre gequetschten Gesichter quietschend wie Luftballons gegen die Scheiben pressen, die Außenwände immer praller wölben, schließlich platzen und all die Weibspersonen kunterbunt aufs Trottoir purzeln.

Da lägen sie nun, hundertfach, käfergleich wimmelnd, und suchten den Eingang, doch sie fänden ihn nicht mehr, denn er ist zerstört.

Ich lüde sie in meine Wohnung ein und böte allen - ratzekahl allen! - zum Trost für die verlorene Heimat ein Eierlikörchen an, weil so bin ich. Sollte die angebrochene Flasche im Kühlschrank dafür nicht reichen, schlappte ich zur Tanke und holte Nachschub, falls gewünscht trotz der zusätzlichen Unkosten sogar Fischli, und alles wäre wieder gut.


Tag: #107

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 03.08.2017
Titel: Lorenz und die Teufelsmaß

Ein Märchen für Erwachsene als Online-Text bei Verlag testimon.


Tag: #106

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 03.08.2017
Titel: Notwehr

(Gespräch zweier gehobener Herren in einem ebensolchen Gastronomiebetrieb über die Tische hinweg)

A: Entschuldigen Sie, aber ich finde, Sie trinken zuviel.

B: Nö.

A: Können Sie Ihren übermäßigen Alkoholkonsum irgendwie rechtfertigen?

B: Wenn ich nüchtern bin, traue ich mich nicht, meine Frau zu schlagen.

A: Jessas - ein gewalttätiger Macho sind Sie also auch!

B: Sie haben leicht reden.

A: Wieso?

B: Sie ist einen Kopf größer als ich und schlägt immer zuerst zu, wenn sie besoffen heimkommt.

A: Ober, noch einen Kirsch für den Herrn - auf meine Rechnung!


Tag: #105

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 30.07.2017
Titel: Bleib mir bloß weg!

Der Frühling - zu bunt
Der Sommer - zu heiß
Der Herbst - zu feucht
Der Winter - zu kalt

Die Liebe - zu flüchtig
Das Leben - zu kurz


Tag: #104

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 30.07.2017
Titel: Bardentreffen Nürnberg (2017)

Am Hauptmarkt auf der Bühne
eine sowjetische Waschmaschine
(Baujahr 1953),
voll Schotter und rostiger Nägel.
Daneben der Tanzbär
mit einer Mundharmonika,
die in seinem blutenden Maul festgetackert ist.

Vor Erregung fallen einem Zuschauer
die angebissenen Bratwürste
aus dem Brötchen aufs Kopfsteinpflaster,
doch wenigstens ihr eitrig gelber Sembfd
bleibt ihm im Gesicht und
an den Fingern kleben.

Der Moderator
- ein städtischer Artistic Director -
lallt platzfüllend ins Mikrofon,
das Duo habe schon drei
#1 Hits im Rayon
Turbothermopralatinsk
gehabt; das Publikum jubelt.

Er schaltet die Waschmaschine ein
und
gibt dem Bären einen Tritt -
das Spektakel beginnt
.


Tag: #103

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 02.07.2017
Titel: Untermittelhochtiefdeutscher Trinkspruch

Klier Drumf, verzwahlt freubar Trögl, wamm schwünkt dor Quantz, greim winst harg blan!


Tag: #102

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.03.2017
Titel: Strafe muss sein

Für den Fiesling keinen Riesling!


Tag: #101

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.03.2017
Titel: Pasta al morte (melancholischer Anfall beim Kochen)

Ohne Not aus dem Lot trudeln in Strudeln Nudeln in den sicheren Tod - Sapperlot!


Tag: #100

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.03.2017
Titel: Abgründe der Kommunikation

Bedienung: Was kann ich für Sie tun?

Gast: Schleimschwein scheiß rein.

Bedienung: Wie bitte!?

Gast: Tschuldigung - ein' klein' Weißwein
.


Tag: #099

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.03.2017
Titel: Hilfsbereit

Sehr geehrter Herr Barthel,

haben Sie schon den Hammer geholt? Ich kann Ihnen nötigenfalls zeigen, wo er hängt. Hans weiß es nicht, sein Junior lernt's wohl nimmermehr.

Mit besten Grüßen
stets Ihr
Most

P.S.: Vielen Dank für Wein und Schläuche. Beides wird nicht alt.


Tag: #098

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.03.2017
Titel: Mensch & Tier

Die Affen im Zoo freuten sich auf die regelmäßigen Besuche von Herrn Klose: Jeden Mittwoch um 11.35 Uhr standen sie am Gitter ihres Käfigs Spalier, in der Rechten eine volle Ladung. Im Gegenzug brachte er für sie mit Reißzwecken gespickte Bananen mit. So hatten alle ihr Vergnügen - bis zum nächsten Mal.


Tag: #097

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.03.2017
Titel: Voll daneben

Bei ihren Touren (mit billigen Huren) durchs wilde Masuren fuhren die Buren auf falschen Spuren bis nach Mandschurien.


Tag: #096

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.01.2017
Titel: Vom Sinn der Syntax

Einigkeit? Und Recht und Freiheit für! Das deutsche Vaterland, danach. Lasst uns alle! Streben; brüderlich mit. Herz. Und? - Hand!


Tag: #095

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 25.12.2016
Titel: Immer gut beschäftigt

Ich nehme Rücksicht auf Frauen, denn sie genießen besonders schützenswerte Rechte.
Ich nehme Rücksicht auf Kinder, denn sie genießen besonders schützenswerte Rechte.
Ich nehme Rücksicht auf Transsexuelle, denn sie genießen besonders schützenswerte Rechte.
Ich nehme Rücksicht auf Homosexuelle, denn sie genießen besonders schützenswerte Rechte.
Ich nehme Rücksicht auf Andersgläubige, denn sie genießen besonders schützenswerte Rechte.
Ich nehme Rücksicht auf Migranten, denn sie genießen besonders schützenswerte Rechte.

Ich nehme Rücksicht auf Veganer, Nichtraucher, Antialkoholiker, Verhaltensgestörte, Allergiker und Linkshänder, denn sie alle genießen ohne Zweifel besonders schützenswerte Rechte.

Eigentlich ist das ein Full Time Job, aber zwischendurch muss ich noch in die Arbeit, um meinen Lebensunterhalt und die Steuern zu verdienen. Diese Pflicht wird mir von niemand streitig gemacht.

Ich fühle mich maßlos diskriminiert, weil ich nichts Besonderes bin.


Tag: #094

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.10.2016
Titel: Ultrakurzgeschichte für skeptische Kinder

Das kleine Nilpferd sah mit verhaltenem Optimismus dem Sonnenaufgang entgegen.


Tag: #093

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.09.2016
Titel: Semper scriptor

Seine erste Reaktion auf die Feststellung, dass er tot war, lautete:

Ach, du schöne Scheiße!

Natürlich hatte er irgendwann damit gerechnet, aber gerade jetzt! Gerade hier?

Da lag er nun - starr.

Was denn sonst als starr?

Das Gute war, dass ihm nicht langweilig werden konnte, denn Zeit spielte keine Rolle mehr. Raum auch nicht, also war der Ort dieses finalen Malheurs total egal.

Der Tod fühlte sich schon ziemlich anders an als das Leben, wobei Gefühle für einen Toten etwas hochgegriffen klangen. Gedanken eigentlich auch. Trotzdem waren sie da, irgendwie.

Er versuchte sich zu erinnern, an Eltern, Freunde, Frauen. Hatte er Kinder gehabt? Nichts, blank: Keine Gesichter, keine Bewegungsmuster, keine Gerüche.

Wenn er da keine Bilder sah, woher wusste er dann überhaupt, dass er gelebt hatte? Nun ja, er lag hier, das war Fakt. Allerdings hatte er schon zu Lebzeiten öfters Schwierigkeiten mit den sogenannten Fakten gehabt, weshalb er Schriftsteller wurde.

Genau, aus allem das Beste machen: Er würde den ersten Roman eines Toten schreiben - ein Burner, auch wenn die Leserschaft zwangsläufig beschränkt bliebe.

Seine erste Reaktion auf die Feststellung, dass er tot war, lautete:

Ach, du schöne Scheiße!


Sehr gut. Darauf ließ sich aufbauen.


Tag: #092

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.09.2016
Titel: Kopfgeburt

Die Phantasie ist die schönere Schwester der Realität.


Tag: #091

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.09.2016
Titel: Eine neue Erfahrung

Seit ich in der Kneipe jede Bestellung mit einer Lobpreisung des einzig wahren Gottes einleite - den verdächtigen Rucksack habe ich sowieso immer dabei -, sind die Wirte freundlicher und bei der Abrechnung viel flexibler: ALLAHU AKBAR - EIN WEISSENOHER!


Tag: #090

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.09.2016
Titel: Afrika



Wörter ziehen in endlosen Reihen über das Papier wie gleichmütige Herden von Elefanten, Gnus oder Zebras. Die Satzzeichen zwischen ihnen sind nur schwirrende Fliegen.

Ihr Inhalt lässt dahinter eine Landschaft entstehen: Savanne mit hohem harten Gras, am Horizont ein schwarzes Vulkangebirge, schneebedeckt.


Tag: #089

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 17.09.2016
Titel: Kulturtransfer

Die Burka ist auch für Europa ein Segen und muss bleiben, denn der Prophet sprach (Koran, Sure 4753):

Im Namen Allahs, des Allmächtigen, den nur ich nennen darf - Allah, Allah, o lala! - was wollte ich eigentlich sagen? Kümmert Euch um die Ziege! - Ach, nein: Wenn eine Frau so hässlich ist wie eine Neumondnacht in Medina dunkel, dann hängt ihr ein schwarzes Badetuch über den Kopf und macht ein paar Luftlöcher rein. Dies Werk ist gottgefällig und wird Euch vor Erblindung und komischen Gedanken über gleichgeschlechtliche Liebe bewahren. - Gibt's in dem Bumsschuppen eigentlich noch was zu rauchen, oder wie schaut's aus?


Tag: #088

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 17.09.2016
Titel: Ein Missverständnis

Herr A: Hoppla, Sie da! Wie kommen Sie dazu, meine Frau zu küssen?

Herr B: Ich dachte, es ist meine.

Herr A: So eine unverschämte Lüge! Meine Gattin ist ein individuelles Tuning-Modell - mit H-Kennzeichen, wegen der Steuer. Sie verstehen?

Herr B: Pah, meine hat auch Speichenfelgen, Ledersitze und einen Klappenauspuff!

Herr A: Aber die Lackierung hätte Ihnen auffallen müssen: Erdbeermetallic, die gibt es nur einmal in Deutschland!

Herr B: Tatsache?

Herr A (stolz): Allerdings.

Herr B: Wau! - Haben Sie vielleicht vor, Ihre Frau irgendwann gebraucht zu verkaufen?

Herr A: Geht nicht, ich habe sie nur geleast.

Herr B: Schade ...


Tag: #087

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 17.09.2016
Titel: Die Rache des Dichters

Bald würde er dem perfekten Satz schreiben und, alle, die wo, gesagt haben, er wäre unbegabt, täten sich schämen - voll in echt!


Tag: #086

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 27.08.2016
Titel: Einfache Prophetie

Eines Tages werden all die Allesversteherwirschaffendas- und Ichbinstolzeinpunktpunktzusein-Länder wieder unter das schützende Kleid von Lady Liberty kriechen und Israel fragen, was man effektiv gegen Terroristen tun kann.


Tag: #085

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 27.08.2016
Titel: Idee für den Anfang eines Nürnberger Lokalhorrorromans (verworfen)

Eigentlich war Uebelein 3 gerade im Begriff gewesen, sich in seinem Stammbiergarten eine frische Maß und eine große Breze zu bestellen, als die giftgrüne gehirnsaugende Monsterspinne, die plötzlich über ihm aus dem Kastanienbaum fiel, ihren gezackten, zweieinhalb Meter langen Teleskopstachel in seine Schädeldecke rammte. Angesichts der blutigen Knochensplitter auf dem bekrümelten groben Holztisch, an denen Hautfetzen und Haarbüschel klebten, und wegen der grässlichen Kopfschmerzen änderte er aber seinen Plan: Bevor er zum Zombie wurde, wollte er noch heimgehen, eine Aspirin schlucken und sich in seinem Folterkeller unterhalb der Kaiserburg dem Dutzend selbst gefangener Jungfrauen widmen, das dort darauf wartete, von ihm geschändet, ausgeweidet und auf dem Rost gegrillt zu werden. Also rief er die Bedienung, um zu zahlen. Sie kam mit ihrer laufenden Kettensäge auf ihn zu ...


Tag: #084

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 27.08.2016
Titel: Trost im Alter

Wer nicht mehr so mobil ist, kann immer noch alle Hoffnung fahren lassen.


Tag: #083

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.08.2016
Titel: Ernsthaft



Ich muss nicht lustig sein, um Bier zu trinken.


Tag: #082

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 14.08.2016
Titel: iCommunication 2016

Hallo?
(...)
Sie haben sich verwählt, aber bitte legen Sie nicht gleich wieder auf, ich hatte seit zwei Stunden keinen Anruf mehr. - Wie war Ihr Tag?


Tag: #081

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 14.08.2016
Titel: Präsumptives Denken

Um zu wissen, dass es nicht ratsam ist, sich mit einer Gabel ins Auge zu stechen, kann man es tun oder sich die Folgen vorstellen. In ersterem Fall hat man danach nur noch eines, in zweiterem beide - und es tut nicht so weh.


Tag: #080

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 05.08.2016
Titel: Verpasster Naturschutz



Hätte man Goethe rechtzeitig Bescheid gesagt, dass sein Geschreibsel belanglos ist, wäre der deutsche Wald heute Dichter.


Tag: #079

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 29.07.2016
Titel: Nach 77 Jahren nichts dazugelernt

Warum importieren wir lieber Kriege und Massen von Flüchtlingen, unter denen sich Kriminelle leicht verbergen können, statt Frieden und Sicherheit zu exportieren?

Weil niemand mehr die Verantwortung für einen Fehlschlag übernehmen und Opfer bringen will. Weil es keine gemeinsamen Werte mehr gibt, für die die demokratischen Staaten zu kämpfen bereit sind. Weil die Vision von Freiheit und Gerechtigkeit durch Missbrauch gestorben ist.

Wenn die Alliierten 1939 / 1941 ebenso gedacht hätten, wehte noch heute über Deutschland die Hakenkreuzfahne und die Schlote in Auschwitz-Birkenau würden weiter rauchen.

Die Motivation zum Handeln wird schließlich die Angst um die nackte Existenz sein, doch dann ist es zu spät.


Tag: #078

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Manipulation durch Angst

Politik, Medien und Wirtschaft erzeugen bei der Bevölkerung gezielt ein permanentes Angstgefühl, um sie gefügig zu halten und ihren eigenen Status zu sichern: Die Öffentlichkeit wird mit Meldungen über Terrorakte, Kriege, Seuchen, den drohenden ökonomischen Kollaps oder die Klimakatastrophe bombardiert. Wenn die Nachrichtenlage nichts anderes mehr hergibt, bricht die Volkskrankheit Depression aus.

Die Ursachen werden nicht mehr benannt und deshalb auch nicht mehr gesucht. Die Menschen sollen so von ihrer Hilf- und Machtlosigkeit überzeugt und in einem Spannungszustand gehalten werden, nach dem Motto: Bloß keine Veränderungen, denn die würden das System noch mehr destabilisieren - vertraut uns!

Das Gegenteil ist der Fall: Das Misstrauen gegenüber den Eliten wächst, die Leute stumpfen ab und verlieren die Empathie mit wirklichem Leid. Der Weg führt zurück in Unmündigkeit und Dumpfheit, die sich im gefährlichen weltweiten Trend zu einem diffusen konservativen Gebräu aus Nationalismus und religiösen Surrogaten äußert.

Diese Entwicklung zeigt das Scheitern des seit 1989 davongaloppierten Kapitalismus: Die Verheißung ungebremsten Konsums ist kein Ersatz für kohärente ethische Werte und löst keine Probleme: mit Geld kann man weder Frieden noch Glück kaufen.


Links:

Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Analyse als Voraussetzung

Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Das Kapital


Tag: #077

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Irrweg

Unter dampfendem Moos
kaum noch erkennbar
vermoderte Pfähle
am Rand der vernarbten Schneise
eines ungebauten Pfads,
dessen Ziel keiner mehr kennt.

Weiter
blieb nichts
zurück
.


Tag: #076

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Das Ziel

Aus dem gurgelnden Strudel
der Vergangenheit
wächst unablässig
der Bau unserer Zeit.

Seine winzigen Fenster
geben schwindelnde Ausblicke
auf gesprochene Wörter,
geliebte Gesichter,
aufgesaugte Farben
und altneue Gefühle.

Die Zeiger der Turmuhr
bohren sich wie Spieße
in die müden Augen des Betrachters.

Es riecht
nach verbranntem Fleisch
und Hyazinthen.

Auch wenn mitunter
der Wirbel am Grund
zu Morast gerinnt,
hört das Wachsen nie ganz auf -
pochend, hämmernd, knarrend -
bis zur Vollendung,
Stock um Stock:

Geburtszeit,
Lebenszeit,
Zwischenzeit,
Todeszeit.

Das Werk strebt seiner Vernichtung zu,
der unendlichen Freiheit,
die das Gefängnis
nach seinem Einsturz geben muss.


Tag: #075

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Theresia (2009)

Große kleine starke
Schwester Mutter Tochter Frau
Bis zuletzt
Für immer
Jetzt bist Du ein Engel


Tag: #074

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Lang danach

In den schwarzen Nächten
ohne Berührung
ohne Dein Atmen
leuchtete
die flackernde Erinnerung
heller
als das erträumte Dämmern
neuer Sommertage.

Sie lockte mich wieder
ins Panoptikum unserer Zeit
voll ausgebleichter Wachsrosen
und präparierter Küsse
mit seiner Attraktion,
einem totgebornen Schwan
in trübem Formalin -
zerfallende Kuriositäten.

Vergeblich
suchte ich Deine Spuren
im alles bedeckenden Staub
Du warst nie hier -
selbst das Vergessen
war nicht gemeinsam
.


Tag: #073

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Einzelzimmer (1987)

Heines Vorhänge sind geschlossen.

Eine Eizelle aus Beton,
darin die Idee
des Lebens.

Eine Explosion,
die der Zweifel schluckt.


Tag: #072

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.07.2016
Titel: Gefühlsspeicher (im Kulturgarten auf der Stadtmauer)

Wie viel helles Lachen haben die Steine schon gehört und wie viel dunkles Weinen, oder dummes Geschwätz, das den Menschen in ihrer Zeit so wichtig war?

Man müsste sie auswringen können wie alte Schwämme, dann wären sie wieder bereit, neues Leben beständig aufzusaugen.


Tag: #071

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.07.2016
Titel: Herbstabend auf der Wöhrder Wiese (2011)

Die Sonne plumpst vom Himmel
Die fusseligen Regenwolken ziehen weiter
Die Flieger zeichnen noch kurze rosa Striche, kreuz und quer
Die N-Ergie knipst den Halbmond an (Superspartarif)
Die Entenpaare pfeifen eilig heim - nach Osten
Die Fahrräder irrlichtern über die löchrigen Wege
Die brennende Kerze kämpft tapfer gegen den böigen Wind
Die Autos rauschen vorne, weit weg
Die Pegnitz plätschert hinten, keiner hört ihr zu
Die Feuchtigkeit kriecht aus dem Gras in die Socken
Die Bäume stehen nur da
Und sind Bäume, Bäume
Wahrscheinlich werden sie dieses Jahr nicht nach Fürth wandern
Um dort zu überwintern


Link:

Fräiherbschd


Tag: #070

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.07.2016
Titel: Dauergedudel

Kein hippes Rattenloch, aus dem es nicht durchgehend dödelt: Jazzy, classy, irgendwie orientalisch. Sphärische Frauenstimmen nuscheln Lalali-Folgen zum Rhythmus eines depressiven Drumcomputers melancholisch ins Nirwana. Die Message: Huhuhu, wir sind so tiefenentspannt, dass wir uns auf der Stelle schmerzlos einen Eispickel ins Auge rammen könnten.

Wozu dieser Akustikmatsch? - Um die Gehirne weichzukochen, bloß keine Gedanken aufkommen zu lassen, die Menschen durch einen permanenten schleimigen Soundtrack von der schmutzigen, aber ehrlichen (und nun mal einzigen) Realität abzulenken, damit sie brav konsumieren, weiter Tatort glotzen, Mutti wählen und ansonsten gefälligst die Fresse halten.

Solche Musik ist Psycho-Terrorismus. Komponisten, Interpreten und Verbreiter sollten mit nicht unter drei Stunden Beethoven, Janis Joplin, den Sex Pistols oder schwarzem Gospel bestraft werden - für Mord noch relativ billig.


Tag: #069

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.07.2016
Titel: Eine stolze Mutter mit ihrer Freundin beim Blick in den Kinderwagen

Hach, ist der süß: so rote Backen, und der Schmollmund! - Wie heißt er denn?

Maximilian.

(Pause)

Öh - da stimmt was nicht.

Wieso?

Ich glaub', du hast das falsche Ende gewickelt.

Echt?

Das ist kein Gesicht ...


Tag: #068

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.07.2016
Titel: Der Sinn des Lebens - ein Versuch



Motto: Die Welt existiert durch jene absolute Vollkommenheit, in der sie Ursprung und Vollendung findet.

(Charles Werner: Die Philosophie der Griechen. Freiburg 1966, S. 238.)

Link zum Text


Tag: #067

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 17.07.2016
Titel: Das Licht verloschener Sterne

Wenn man heute in den klaren Nachthimmel blickt, sieht man das Licht verloschener Sterne, das noch leuchtet, obwohl es seine Quelle längst nicht mehr gibt.

So soll mein Leben sein: Wenn ich nicht mehr bin, soll noch etwas von mir sein, weit weg, hell in der Dunkelheit.


Tag: #066

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 17.07.2016
Titel: Der Störenfried (1982)

Ich spüre, wie es immer wärmer wird. Die Anderen kommen wieder aus ihren Schlupflöchern am Rande der großen Ebene, wo sie während der langen Kälte schliefen. Ich bin froh, dass sie kommen. Die ganze lange Kälte hindurch war ich allein.

Immer mehr von den Anderen beginnen planlos wie sonst auch herumzulaufen und alles, was ihnen in den Weg kommt, auf Essbarkeit zu untersuchen. Sie verweilen kurz, wenn sie eine geeignete Flechte gefunden haben, beißen sich zwei, drei Teile ab, rennen im Zickzack weiter. Ab und zu stößt ein Paar zusammen, betastet sich flüchtig mit den Fühlern, um schließlich ohne Reaktion weiter nach Flechten zu suchen.

Ich aber liege hier und kann ihnen nur zuschauen. Meine Beine sind zerquetscht.

Ich weiß, dass ich keine Chance habe. Wer nicht laufen kann, kann nicht fressen, wer nicht fressen kann, der stirbt.

Deshalb bin ich nicht traurig. Ich möchte nur einmal einen dieser wimmelnden Körper mit meinen Fühlern betasten, ihm über seinen Kopf, seinen Panzer, seine Beine fahren, das erste und letzte Mal in meinem Leben.

Doch keiner wagt sich zu mir hin. Es ist, als ob sie mich dafür hassen, dass ich sterbe. Ich störe sie bei der Futtersuche. Sie müssen mir ausweichen. Dabei geht kostbare Zeit verloren.

Das helle heiße Licht steht hoch über der großen Ebene; jetzt ist das Getümmel am größten. Es ist soweit. Gerade rollt der ausgetrocknete Körper eines toten Anderen an mir vorbei. Sein Rückenpanzer weist einen langen Riss auf. Er starb vor mir und nach mir werden wieder welche sterben. Solche wie mich wird es immer geben
.


Tag: #065

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 11.07.2016
Titel: ... und Freiheit!

Damit wir das heute vor dem Spiel in unserer Nationalhymne trällern können, setzten Menschen in Deutschland über 200 Jahre ihre Existenz und sogar ihr Leben aufs Spiel, zigtausende haben es deshalb auf dem Schafott oder in den KZs verloren.

Sie kämpften nicht für Dauertiefstpreise für alle, Massenverblödung durch Permabespaßung, sinnentleerte Wahlrituale, die nichts mehr ändern, den Missbrauch des Systems durch eine feudalistisch denkende Oligarchie, gnädige Almosenverteilung, Sonderrechte für zu laute Minderheiten bzw. Klappenauspuffe oder aus falschverstandener Toleranz geduldeten religiösen, rassistischen und sexistischen Import-Chauvinismus.

Wer lieber im Mittelalter oder in Disneyland leben möchte: Die Ausgänge nach Russland, in die Toskana und ins Kalifat sind gut sichtbar gekennzeichnet. BMWs, iPhones, Goldkettchen, ergaunerte Doktortitel, Primitivität, Concitas Wurstigkeit und an der Steuer vorbeigeschmuggeltes Schwarzgeld dürfen mitgenommen werden.

GET THE FUCK OUT OF HERE!


Tag: #064

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 02.07.2016
Titel: APO 2016

Wenn ich mir jemals einen Hund kaufe, nenne ich ihn Knalldepp, um mit ihm die Sitzungen des Stadtrats zu besuchen und bei jeder passenden Gelegenheit seinen Namen rufen zu können.


Tag: #063

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 26.06.2016
Titel: Vogelwild

Nach vermehrten Sichtungen im Stadtgebiet warnt die Ortsgruppe Nürnberg des Deutschen Vogelschutzbundes vor dem Fink mit dem Zaunpfahl (Fincus Dachlattus). Die Tierart, die als äußerst aggressiv gilt, ist wie schon zuvor die Immerbreite Schnapsdrossel (Turdida Semper Spirita) aus der Pampa links hinter Bukarest zugewandert, legt tickende tarnfarbene Eier und bevorzugt als Brutplätze U-Bahnhöfe und den Stadtgraben.

Die Ornithologen raten dazu, in diesen Bereichen stets einen Baseballschläger mit sich zu führen, um das subjektive Sicherheitsgefühl zu erhöhen.


Tag: #062

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 25.06.2016
Titel: Kommunikative und soziale Evolution im Verhältnis der Geschlechter am Beispiel der Ansage eines deutschen Mannes zu seiner deutschen Frau beim Verlassen des Biergartens, ausgehend von einem Originalzitat

2016: Wenn Du den Impuls hast, etwas zu essen, können wir das jetzt tun.

1976: Hast Du noch Hunger, Schätzchen?

1936: Arische Volksgenossin, wenn wir nach Hause kommen, machst Du mir einen Eintopf!

936: Vielleicht finden wir auf dem Heimweg ein paar Brotkrümel, wenn dem Grundherrn etwas von seinem Wagen mit unseren Naturalabgaben gefallen ist.

20016 v. Chr.: Gnorb, mein Weib, hol mir die Keule - MAMMUUUT!


Tag: #061

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.06.2016
Titel: Ganz sicher

Wenn ich nicht genau wüsste, dass Sie's nicht sind, würde ich sagen, Sie sind Karlheinz Vetterlin, aber der ist schon lange tot.


Tag: #060

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.06.2016
Titel: Ätsch

Die Existenz wahrer Schönheit war immer eine Fiktion - außer in der Natur.


Tag: #059

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.06.2016
Titel: Tatsache

NUR DAS SEIENDE IST (Punkt)


Tag: #058

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 28.05.2016
Titel: Trilemma

Wenn man könnte, wie man wollte, würde man. Weil man aber dauernd soll, was man muss, kann man nicht - außer man tut's trotzdem.


Tag: #057

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.05.2016
Titel: Für Juliane

Das letzte Gesicht, das sie sah, lächelte.
Die letzte Stimme, die sie hörte, beruhigte sie.
Danach war sie allein, aber geborgen.
Der Tod hat sie zärtlich empfangen.
Ihr Weg führte in die friedvolle Unendlichkeit.


Tag: #056

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.04.2016
Titel: Hommage an Karl Valentin

Wenn's nett so kalt wär', wär's wärmer.


Tag: #055

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 15.04.2016
Titel: So ein Zufall

Neulich bin ich mir auf der Straße begegnet: Ich sah nicht gut aus, sprach mich aber nicht an, denn wir hatten es eilig.


Tag: #054

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 05.04.2016
Titel: Automobile Völkerkunde

Betrachtet man die Relation bestimmter deutscher Luxusmodelle zur Mehrheit ihrer Fahrertypen, liegt der Rückschluss nahe, dass es sich lohnen muss, Masseur in einer türkischen Schwulensauna zu sein. Mit Trinkgeld reicht es sogar für einen Klappenauspuff und eine Friseuse auf dem Beifahrersitz als Alibi.


Tag: #053

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 04.04.2016
Titel: Haltet den Dieb! Ein Sketch, zu spielen auf jeder beliebigen Polizeiwache

Zwei Männer betreten den Raum, wobei der eine den anderen, der eine zerknautschte Aldi-Tüte trägt, am abgewetzten Parkakragen hält. Der Wachtmeister legt widerwillig seine halbgegessene Leberkässemmel (mit Sembfd!) beiseite, erhebt und wälzt sich zum panzerverglasten, auf seiner Seite mit Krümeln übersäten Tresen, indem er durch einen breitbeinigen Gang versucht seine Hose am Rutschen zu hindern.

Opfer: Grüß Gott! Dieser Schlemihl hat mir meine Geschichte geklaut! Ich ging nur kurz auf die Toilette und ließ sie auf dem Cafétisch liegen - schwupp, schon war sie weg! Er saß nebendran und grinste frech. Zuvor war seine Tasche leer, ich mag es schwören, nun ist sie prall gefüllt. Er gibt sogar zu, dass sie eine Geschichte enthält, doch es sei die seine. Dabei ist einem mit einer so blöden Visage nicht ernsthaft zuzutrauen, dass er schreiben kann, oder?

Täter: Hoppla, werden Sie jetzt nicht beleidigend! Können Sie Ihre Geschichte überhaupt beschreiben, hat sie besondere Kennzeichen?

Opfer: Natürlich: Sie handelt von zwei Männern auf einer Polizeistation, ist ansonsten lila, längsoval mit Gumminoppen und riecht nach Meersalz.

Täter (holt seine Geschichte aus der Tüte, triumphierend): Pah, nicht die geringste Ähnlichkeit: Deren Hauptfigur ist ein Wachtmeister, dem ein Bissen Leberkäse aus dem fettigen Maul fällt. Wie Sie sehen, ist sie kugelrund, aus Magerquark gedrechselt und bis auf eine leichte Zimtnote völlig geruchlos.

Das Opfer beschnüffelt die vor Furcht leise pfeifende Geschichte. Dem Wachtmeister fällt ein Bissen Leberkäse aus dem fettigen Maul.

Opfer: Sie haben Recht, das ist nicht meine Geschichte. Sie muss den unbeobachteten Augenblick genutzt haben, um ihren lange gehegten Wunsch zu verwirklichen, sich ein U-Bahn-Ticket zu kaufen und ihren Artgenossen in Tansania anzuschließen, um dort in einer Herde mit ihnen zu leben und sommers in die Antarktis zu fliegen. - Nichts für ungut, Kollege! Darf ich Sie als Wiedergutmachung auf einen Eierlikör in meinen eichenfurnierten Wohnschrank einladen?

Täter: Prinzipiell freilich, aber ich komme nur mit, wenn Sie auch Fischli daheim haben.

Opfer: Of course! Mein Haushalt ist bestens sortiert, dafür sorgt der abgerichtete englische Butler-Pinguin. Sein Name sei Schweinesbein.

Opfer und Täter haken einander unter und verlassen die Marseillaise singend die Szene. Der Polizist fällt bewusstlos um. Es riecht verschmort. Aus seinen Ohren steigen rußig schwarze Cholesterinwölkchen.


Tag: #052

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 06.03.2016
Titel: 10 knorrige Wörter (Ein Tribut an Monty Python's)

Saftgulasch - Holzvergaser - Unwucht - Rammler - Bockwurst - Steinhäger - Stahlseil - Großglockner - Starkstrom - Pressack


Tag: #051

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 27.02.2016
Titel: Provinz-Primadonna

Auf hohl klappernden Absätzen
mit ebensolchem Kopf
galoppiert sie
über das Straßenpflaster

unsäglich schön
prallvoll Selbstwert
das Smartphone
krampfhaft im Griff

ständig unterwegs
zum unausweichlichen Date
mit der Vergänglichkeit -
ohne GPS


Tag: #050

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 11.02.2016
Titel: Drauä (Nürnberger Dialektdialog eines Ehepaares am offenen Fenster)




K: Worum laidn etz däi Gloggn, iss dou erschd verddlzwelfe?

H: Villaachd iss ans gschdorm?

K: Wer sull na gschdorm sei?

H: Dä Obäbürchämastä?

K: Unn wenn, wous soll i dann machn - mi freia?

H: Drauern.

K: Den kenn i obä goarnedd bersönlich. Villaachd woar dä a drummä Doldi.

H: Dann braugsd nedd drauern.

K: Unsä Nachbari, däi kenn i, däi olde Bissgurng, oba um däi däd i a nedd drauern.

H: Gwiis nedd.


Tag: #049

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 07.02.2016
Titel: Der Zettel am Kühlschrank

Hat kein Zweck:
Ich bin weg.

Geh nur zum Jux
ins Benelux.

Mach es gut,
Deine Ruth.


Tag: #048

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 07.02.2016
Titel: Däi Rou (Nürnberger Dialektdialog eines Ehepaares am offenen Fenster)




K: Herrsdiss?

H: Wous?

K: Däi Rou - kanna do, alle fodd, im Ulab - ka Mux aaf dä Gass.

H: Endlich, ka Gwerch.

K: Iich gniis dess fei.

H: Schee.

K: Wergli.

H & K: - -

K: Komisch: Is olles sou laud, wenns leis is.

H: Max Radio oo.


Tag: #047

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 07.02.2016
Titel: Angeber

Zwei Reiher
an einem Weiher
in der Nähe von Speyer
und immer die gleiche Leier:
Wer hat die größeren Eier?
Weiß der Geier!


Tag: #046

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.02.2016
Titel: Crisis? What crisis?

Der Strom kommt weiter aus der Kuh und die Milch aus der Steckdose - darauf können Sie sich verlassen!


Tag: #045

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 31.01.2016
Titel: Das Ende der Welt




Die Geschichte, wie das Umschmeißen einer halbvollen (schade drum) Bierflasche beim Gang aufs Klo in meiner Stammkneipe zum Ausbruch des ersten Atomkriegs führte, ist zweifellos interessant, aber zu lang und kompliziert. Deshalb müssen - gerade angesichts der mehrheitlichen Auslöschung der Menschheit - einige wenige Stichworte ausreichen:

Treffer: Hund - Jaul! - Wegrenn - Botschafter der Volksrepublik Nordkorea (hängt hier immer rum, weil das Bier so gut und billig ist) - Biss - diplomatisches Ultimatum - alle lachen - Kriegserklärung - alle lachen noch mehr - BOOM!


Tag: #044

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 08.01.2016
Titel: So gesehen ...

... war das, was die USA zwischen 1941 und 1945 getan haben, auch eine unerwünschte imperialistische Einmischung in regionale Konflikte mit zweifelhaften Ergebnissen beim State Building: Man kann anderen Kulturen (wie z.B. Deutschland) letztlich Demokratie als mentalitätsfremdes System nicht aufnötigen und muss ihre liebenswerten Eigenheiten einfach akzeptieren, auch wenn dies Millionen menschlicher Kollateralschäden bedeutet.


Tag: #043

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 02.01.2016
Titel: Gedanken zur Erinnerungskultur




Erinnerungskultur ist Teil des Menschenrechts auf freie Meinungsäußerung. Wer dieses Recht unter welchem Vorwand auch immer beschneidet, handelt antidemokratisch.

Öffentliche Erinnerung ist plural. In unserer Gesellschaftsform hat jeder das Recht, im Rahmen der geltenden Gesetze an Menschen und Ereignisse zu erinnern, auch wenn dies nicht der immer wieder wechselnden Mehrheitsmeinung entspricht. Dieses Recht darf von niemand - Politik, Religion oder anderen Interessengruppen - monopolisiert werden.

Erinnerung bedarf keiner Sanktionierung durch vermeintliches Fachwissen oder die jeweiligen Inhaber politischer oder medialer Macht. Der öffentliche Raum gehört allen, da er von allen unterhalten wird, der Minderheit ebenso wie der Mehrheit.

Gesamtkonzepte der Obrigkeit dienen nicht der Förderung und Realisierung, sondern der Verhinderung unliebsamer individueller, inhaltlich oder formal unkonventioneller, innovativer Ansätze sowie der Installierung von Erinnerungsfunktionären, die faktisch als mit Steuergeldern bezahlte Gedenkzensoren wirken. Solche bürokratische Institutionalisierung führt zum Verdruss und Desinteresse der Öffentlichkeit an der Erinnerung, da ihre unweigerlichen Ergebnisse Erstarrung, Ritualisierung und Sinnentleerung sind.

Die heutige Handhabung der Erinnerungskultur ist weiterhin Ausdruck jahrtausendealten obrigkeitlichen Denkens: Wer - mit fremdem Geld - zahlt, wem Grund und Boden gehören, der schafft an, bestimmt, wessen gedacht wird, und setzt so seine Ideologie und Geschichtsdeutung in Szene; daran hat sich seit dem Alten Ägypten nichts geändert. Früher wurde die Legitimation für dieses Handeln von Gott abgeleitet, heute von der angeblichen Mehrheitsmeinung, die jederzeit manipuliert werden kann. Dieses Monopol muss - wie jedes andere auch - gebrochen werden, damit Erinnerung nicht nur die jeweils Herrschenden verewigt, sondern endlich menschlich wird.

Eine autonome, wirklich demokratische Erinnerungskultur setzt die Unabhängigkeit von den an die Macht gebundenen Faktoren Geld, Grund und Meinungshoheit voraus. Das Internet hat hierfür völlig neue Möglichkeiten geschaffen; ihm fehlt aber ein grundlegendes Element, um das Bedürfnis zu befriedigen, das der Mensch untrennbar mit der Erinnerung verbindet: die physische Greif- und Sichtbarkeit an einem konkreten Ort.


Tag: #042

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 02.01.2016
Titel: Postkartentext (1911)

Mein lieber Hans!

Ich sitze grad im Hofbräuhaus
und schau' zum blinden Fenster raus
aufs wimmelnd volle Platzl,
träum' dabei von mei'm Schatzl.

Will aber auch Dir schreiben,
um eingedenk zu bleiben.
Doch fällt mir hier nix Rechtes ein,
deshalb lass' ich es lieber sein.

Rundummerdumm nur lauter Laute.
Das Bier mein Trost, der gut vertraute.
Die Kellnerin schwitzt sinnvoll maßlos,
der werte Gast schwätzt maßvoll sinnlos.

Entbiete noch den besten Gruß
und lasse jeden weitren Schmus.
Wünsch' hiermit Dir Adieu
und bleib auch immer schö'!


Tag: #041

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 25.12.2015
Titel: Mitsprache




Warum nur haben die Menschen den Affen das Sprechen beigebracht? - Ach, haben sie nicht?! Entschuldigung ...


Tag: #040

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 30.11.2015
Titel: Betrachtungen anlässlich der Auslobung von zwei vierwöchigen Stifter-Stipendien für bayerische Autoren in Oberplan (Südböhmen) durch den Adalbert Stifter Verein

Fraglich ist, ob ursprünglich Adalbert Stifter der Stifter des Stifter-Stipendiums war und ob man seine Stifte selber mitbringen muss oder diese auch gestiftet werden. Nota bene: Die geförderten Bayern - Franken und Schwaben müssen daheim bleiben - dürfen nicht stiften gehen, denn es handelt sich um ein Aufenthaltsstipendium. Stifte brauchen sich gar nicht zu bewerben, selbst wenn sie aus einem Hochstift stammen, denn es werden nur Dichter mit Meisterbrief (Meistersinger) akzeptiert. - Zwingend notwendig erschiene mir jedenfalls eine zur Adalbert-Stifter-Stiftung komplementäre Bedalbert-Spitzer-und-Radiergummi-Stiftung. Beruhigend ist, dass es zumindest in Südböhmen einen Oberplan gibt, wenn einmal der Unterplan fehlschlägt. Sela, sela, amen.


Tag: #039

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 01.11.2015
Titel: Eiszeit

Nach der Auflösung einer Studenten-WG in Berlin-Wedding wurden jetzt vom Vermieter im Tiefkühlfach des zurückgelassenen Bosch-Kühlschranks (Baujahr 1976) unter einer meterdicken Eisschicht Teile eines Tierkörpers entdeckt, die sich keiner mehr lebenden Spezies zuordnen lassen. Fachleute vom zurate gezogenen Paläontologischen Institut der Technischen Universität ordnen den Fund nach einer ersten vorläufigen Untersuchung irgendwo zwischen Tyrannosaurus Rex, Urfledermaus und Wollnashorn ein.


Tag: #038

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 12.10.2015
Titel: Fundamentaler Blödsinn

Mit den Worten Allah nu in naktbar! hat sich heute um 13.15 Uhr der Selbstwortmattentreter und stadtbekannte Tagedieb Achned Showida in der menschenleeren Nürnberger Schweppermannstraße mit einem altrosé Pengstoffgürtel kopfüber in die Luft gestemmt.

Nachdem sich die Nachricht von seinem verheerenden Ausschlag weltweit über die asozialen Medien verbreitet hatte, kam es in Prallästina und Schlaffghanistan zu spontanen Beifallskundgebungen, bei denen bayerische Bierfahnen und ungläubige Hunde (vorwiegend Rauhaardackel) verbrannt wurden.


Tag: #037

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Geografisches Gedicht

Na, da schau hi,
der Sinai!

Da wern se kucken,
die Molukken!

Was soll der Quark?,
fragt Dänemark.


Also pack' I's dann,
denkt Afghanistan.


Tag: #036

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 07.10.2015
Titel: Die Lektion

In meinem gelbgrünblättrigen Herbststammbiergarten hoch über dem Ring treffe ich regelmäßig die schwarzgraue Hausmaus. Sie muss Herbert heißen und erzählt mir unter dem Verkehrslärm im Vorbeihuschen unglaubliche Geschichten vom Sommer und den essbaren Dingen, die die Menschen zu Boden fallen lassen. Freilich ist mein Bedenken, dass es sich dabei nur um ein Ablenkungsmanöver handelt, damit sie sich in einem unbeobachteten Moment in meinen Maßkrug stürzen und darin ein Vollbad nehmen kann.


Tag: #035

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 25.09.2015
Titel: Das Ende vom Anfang

Wenn du lange genug die Geschichte verfolgst, kommst du schließlich genau hier an, in dem Moment, wo du diesen Satz liest.


Tag: #034

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 02.09.2015
Titel: Die letzte Waffe



(Foto: Willie Glaser)

Der beste Witz aller Zeiten wurde von einem orthodoxen Rabbiner vor der Gaskammer in Birkenau erzählt, um den Menschen Mut zu machen, doch hat niemand überlebt, der in weitererzählen konnte.


Tag: #033

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.08.2015
Titel: In Memoriam Prof. Bernhard Grzimek (1909 - 1987)

Langsam machen sich die Schwalben schon wieder auf die Socken - so sie denn welche hätten, doch faktisch tragen sie nicht einmal Reiseschuhe, in denen es sie brennen könnte. Quel malaise!


Tag: #032

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 25.07.2015
Titel: Eine ganz kurze Geschichte

Es war einmal ein Mann, der hatte an seinem Hintern eine prächtige goldene Schraube, so groß und glänzend wie ein Dukat.

Die Eltern konnten ihm ihren Ursprung auch nicht erklären, doch sie war sein ganzer Stolz, denn so etwas hatte schließlich nicht jeder. Weil er so bescheiden war, prahlte er aber nicht mit ihr herum, sodass nur Mama, Papa, die Liebe seines Lebens (die er natürlich heiratete) und sein Proktologe von dem Schmuckstück wussten.

Der Mann lebte glücklich und zufrieden mit seiner kleinen Familie - Frau, Tochter und Stammhalter, alle unter 1,65 m -, bis er durch die Machenschaften auf den unregulierten internationalen Kapitalmärkten seine Arbeit in der grauen Plastikdübelfabrik verlor, die wegen der Produktionskosten nach Westkorea verlegt wurde.

Seine Sorgen wurden immer größer, denn als Hartzer konnte er nicht mehr mit Freunden und Nachbarn mithalten.

Da fasste er in seiner Verzweiflung den Entschluss, die goldene Schraube zu entfernen, um sie zu verkaufen. Also schlich er eines nachts unbemerkt aus dem Massivpressspanschlafzimmer in den Keller seines noch nicht abbezahlten Fertighauses (Modell Toscana Rustica) und holte den original Hilti-Akkuschrauber aus dem Werkzeugschrank. Unverzagt legte er los und als er die kostbare Schraube in der Hand hielt - fiel ihm der Arsch ab.

Die Moral: Verkaufe nie dein Wertvollstes, sonst verlierst du mehr, als du gewinnst.


Tag: #031

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.07.2015
Titel: Il silenzio

Da deckte plötzlich beklommene stille das land: die einen behaupteten wichtigeres zu tun zu haben, die anderen, sie wüssten von nichts, den dritten schließlich war es schlicht egal. Nur von den Rändern hörte man geschrei, doch die mitte schwieg - bis sie feststellen musste, dass sie ohnehin keine stimme mehr besaß, weil sie ihre zu oft wahllos den falschen gegeben hatte, um nicht mehr selber mühsam artikulieren zu müssen, was sie denkt.


Tag: #029

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.07.2015
Titel: Rassig

Die Salafisten eliminieren endgültig die Juden. Die Hooligans eliminieren die Salafisten. Die türkischen Nationalisten eliminieren die Hooligans. Die russischen Nationalisten eliminieren die türkischen Nationalisten. Die Neonazis eliminieren die russischen Nationalisten und alle, die keine Nazis sind, und bringen sich nach dem dritten verlorenen Krieg in Nibelungentreue zu irgendeinem Führer selber um. Und endlich herrschen über deutsche Wälder und Auen wieder ihre majestätischen Ureinwohner - DIE WILDSÄUE


Tag: #028

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.07.2015
Titel: Satanische Ferse

Der Prophet
Mohameed
meistens steht

weil er schwitzt
wenn er sitzt


Tag: #027

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.07.2015
Titel: Zugvögel

Ew'ge Sehnsucht
nach dem Süden.

Doch welcher Vogel
mag schon lange Züge zieh'n
und dabei in der Zugluft steh'n?

Drum bleibet hier
und zügelt mit Vögeln
euer Fernweh
wie die Rinnsteinspatzen
.


Tag: #026

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.07.2015
Titel: Bahnhofsplatz im Dunklen

Die letzte öffentliche Uhr ist abgeschraubt. Die Menschen tragen Lampen an den Köpfen und erzählen sich keine Witze mehr, sondern zeigen sie einander auf ihren iPhones und lachen die Displays an.


Tag: #025

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 24.07.2016
Titel: Raus!

Nicht gut -
nur Mut:
Freiheit!
Alright:
Amerika!
Sie ist da.

Bald bin ich weg
hier aus dem Dreck.

Bis dann,
irgendwann,
atme ich die Luft
des Westens.


Tag: #024

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 18.07.2015
Titel: Antisemitismus ...

... ist für Nichtjuden kein Thema - ob sie Antisemiten sind oder nicht.


Tag: #023

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 11.05.2015
Titel: Verzögerungstaktik - zum 70. Jahrestag des Kriegsendes 1945

Die Rote Armee kam nicht bis zum Rhein - die Russen schon.


Tag: #022

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 07.03.2015
Titel: High Noon - Remake 2015, natürlich in 3D

Gary Cooper wird zwanzigmal erschossen, Grace Kelly massenvergewaltigt und danach 15 Minuten lang mit einem Dosenöffner geköpft, Hadleyville abgefackelt, aber in den rauchenden Trümmern findet eine Mahnwache von freireligiösen Präriehunden statt. Am Schluss furzt Conchita Wurst Do not forsake me oh my darling.

Unsere Zeit ist zu cool für Helden.


Tag: #021

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 28.02.2015
Titel: Nülnbülg glübül

Üm Nübüntüsch süßün hütü wüdür ün pür Türkün, dü stündüg gürüdüt hübün. Sütdüm krügü üch dün Klüng nücht mühr üs düm Küpf. - Abel immel noch bessel als ein Ludel letaldieltel Liesenladlevisolen aus dem Leich del Mitte. - Günz zü schwügün vün Züwündülün müt tülkü-chünüsüschüm Hüntülglünd!


Tag: #020

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 31.01.2015
Titel: Schön ist die Jugendzeit (2015)

Blätter im Wind,
die keiner mehr
an ihre Äste
kleben kann.

Dynamisches Trudeln -
anything to go goes -
im Flug durchlöchert
von unablässigen
Informationsschrapnells.

Behüteter Fall
ohne Reibung,
weil die Umwelt vor
der blendenden Tyrannei
aus Eloquenz und Emotion
zurückweicht.

Im Tausch der Ballast
der verfrühten Verantwortung,
die, belächelt,
trotzdem zu Boden reißt.

Kurz vor dem Aufschlag
vielleicht noch ein Schrei,
in Erkenntnis der
eigenen Sterblichkeit.

Danach auch nur
Teil des Humus,
aus dem wieder
neue Bäume sprießen
.


Tag: #019

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 31.01.2015
Titel: Kurzsichtig

Die Lebensläufe der Attentäter vom Januar 2015 waren grundsätzlich nicht für Frankreich spezifisch (Stichwort: Banlieue): Natürlich gibt es auch in Deutschland ein Potenzial von frustrierten kriminellen Losern, die plötzlich das Heil für ihre verkorksten Existenzen in ihren vermeintlichen Wurzeln entdecken könnten, v.a. wenn es sie zu coolen Macho-Supermännern mit der Macht über Leben und Tod im Namen Gottes macht. Das hat nix mit der Islamisierung Europas zu tun, sondern ist eine mörderische Travestie des Ghetto-Gangsta-Style, mit dem sich nicht nur einer der Killer von Paris zeitweise identifizierte, sondern z.B. auch Denis Cuspert, alias Deso Dog aus Berlin, der mittlerweile als Abu Talha al-Almani irgendwo im Nordirak herummeuchelt. Ihre Affinität zur Popkultur zeigt sich auch in der Wahl ihres Primärziels, nicht etwa Politiker oder Militärs, sondern einer Zeitschriftenredaktion - als ob Karikaturisten ihr deppertes Kalifat gefährden würden.

Es ist absehbar, dass die drei Franzosen auch hier in einer Szene, in die längst keiner mehr wirklich einen Einblick hat, zu Märtyrern werden, genauso wie die zwei Deutschen vom NSU im braunen Sumpf der gewaltbereiten eingeborenen Minderleister. Gegen diese massiven Fehlentwicklungen hilft weder in einem von Polizeilegionen abgeschirmten Trauermarsch gut sichtbar in der ersten Reihe mitzuwatscheln noch Vorratsdatenspeicherung. Eine Gesellschaft, in der relevante Gruppen Mord als legitim ansehen, hat ein massives Problem, vor dem man den dummen Kopf nicht tief und lange genug in den Konsumsand stecken kann.


Link:

Der Völkerverhau


Tag: #018

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 26.12.2014
Titel: Sommergedicht

Wenn die Segler mauern
und die Seier lauern
an dem zlauen Bimmelshelt
hat sich der Poet gewiss
eine Maß zu viel bestellt


Tag: #017

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 26.12.2014
Titel: Der Völkerverhau


Der Verlauf der Geschichte und die dem Zufallsprinzip überlassene deutsche Einwanderungspolitik wollen es, dass sich in diesem Land zu einer muffeligen Mehrheit zwei Immigrantengruppen erheblicher Quantität gesellt haben, die ebenso wie die Ureinwohner hochneurotisch sind - Türken und Russen.

Alle drei Nationen leiden unter Minderwertigkeitskomplexen wegen verlorener Kriege bzw. Gebiete und haben sich nachhaltig moralisch kompromittiert (Auschwitz, Katyn/Gulags, Armenier). Trotzdem oder gerade deshalb - die Geschichte ist voller Paradoxien - begreifen sie sich immer noch oder wieder nicht einfach als Länder, sondern frönen dem pathologischen Drang, mittels Geld, Waffen oder Propaganda ihre Kultur exportieren zu wollen und ihre Werte anderen aufzudrängen. Solange sich ihre Einflusssphären nicht überschneiden, ergäben diese auf Chauvinismus gegenüber den Nachbarn basierenden Pläne der Germanisierung / Russifizierung / Turkifizierung die ideale Ausgangsposition für ein ideologisches Bündnis im Stile des 19 Jahrhunderts, da ihnen neben der reinen Machtpolitik auch bildungs- und freiheitsfeindlicher Konservatismus, neofeudalistische Strukturen sowie ein strammer Antiamerikanismus gemeinsam sind.

Innenpolitisch problematisch wird die Sache aber, wenn Angehörige solcher geistesgeschichtlich zurückgebliebener Völkerschaften - die Aufklärung fand in Russland und der Türkei nie statt, in Deutschland blieb ihre Wirkung oberflächlich - mitten in Europa zusammenklumpen: Die Einwanderer, abgeblockt von einer alles andere als aufgeschlossenen Bevölkerung, schotten sich räumlich und sprachlich in Ghettos ab und bleiben über Generationen in dem Dilemma zwischen alltäglicher Underdog-Erfahrung und daheim zunehmend propagiertem Überlegenheitswahn hängen. Der im Vergleich zu früher wesentlich intensivere Austausch mit den Herkunftsländern durch Medien, Telekommunikation und häufigere Reisen hin und her hat diese innere Spannung noch verschärft.

Ob gerührt oder geschüttelt: Es ist kaum vorstellbar, dass aus dieser Mischung mehr entstehen wird als ein halbzivilisiertes, dumpfes Nebeneinander, denn niemand hat bei ihrer Entstehung auf das Verhältnis der Ingredienzien geachtet. Einerseits setzte Integration etwas voraus, in das man integrieren kann, wozu eine atomisierte, nur auf Konsum fixierte Gesellschaft höchstens auf dem Niveau einer Affenherde geeignet ist. Andererseits ist ein offener Diskurs darüber, wie sich Deutschlands Bevölkerung eines Tages zusammensetzen sollte, politisch anrüchig. Damit gleicht die tatsächlich ständig stattfindende Einwanderung einem Glücksspiel und die Deutungshoheit über das Thema wird der dummen Rechten überlassen.

Fakt ist: Findet kein grundsätzlicher Paradigmenwechsel auf der Grundlage aktueller Analysen und der Erkenntnisse aus der Geschichte statt, importiert der Exportweltmeister Deutschland bevölkerungstechnisch die Krisen und Konflikte Südost- und Osteuropas sowie des Nahen Ostens. Dies bedeutet nicht die Forderung nach einer geänderten Asylpolitik: Asyl ist ein individuelles Menschenrecht, dessen Bedingungen hierzulande klar definiert sind, mit dem aber Politik und Verwaltung aus Kalkül oder Unfähigkeit nicht angemessen und professionell umgehen; die zeitweilig geduldeten und auf Dauer anerkannten Asylbewerber sind keine quantitativ relevante Größe. Viel bedenklicher ist die Frage, ob die durch die EU geschaffenen Mechanismen dem einzelnen Mitgliedsstaat überhaupt noch genügend Spielraum lassen, um die Einwanderung aktiv zu gestalten.

Welche fatalen Konsequenzen die seit Jahrzehnten laufende Fehlentwicklung haben könnte, lässt sich anhand der beiden größten Zuwanderergruppen leicht ausmalen: Nicht das weltfremde Pegida-Geschwätz von einer Einführung der Scharia in Niederbayern, dem mit zwangsweisen Besuchen des Deutschen Ecks durch einheimische Muslime begegnet werden muss, sondern die Bildung von Fünften Kolonnen bei außenpolitischen Interessengegensätzen (Beispiel Ostukraine) oder das Übergreifen innenpolitischer Probleme in den Herkunftsländern (Beispiel Kurden in der Türkei). Wer das für die Ausgeburt einer paranoiden Phantasie hält, sollte als Test des bereits heute vorhandenen Einflusses in seiner Heimatstadt ganz legal öffentlich ein Plakat aufhängen, das sich kritisch zur Expansion Russlands äußert und warten, was damit übernacht passiert. Hier hilft nur, jeweils die aufgeklärte Minorität innerhalb dieser Gruppen zu unterstützen, damit sie solchen Tendenzen entgegenwirkt.


Link:

Bittere Ironie: Die alte neue Unordnung Osteuropas


Tag: #016

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 26.12.2014
Titel: Die Wahrheit über polnische Wildkaninchen

Das Hoppeln
durch Stoppeln
auf Feldern
um Oppeln
dient letztlich nur
ihrem Verdoppeln
beim Moppeln


Tag: #015

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.12.2014
Titel: Fräiherbschd


Graue Wolgn, scharfä Wind, kaldä Reeng.
Däi Sunna kämpfd dapfä,
obba ihä Schdrooln wern wengä
unn wärma nimmä asu
wäi lezde Woch.

Däi erschdn brauna Blädda
danzn aafm Diisch.
Unn'd Muggn nema nu an Schlugg Bloud
vou dä Fraa in schwadzn Diischerd.

Aaafd Nachd
Fleedermais unn es Zirbn
vou däi Heimäla.

Ball hoggmä widdä innä Budn
unn waddn aaf däi nexde Schangs
fiä aweng Fraheid.


Link:

Blog Nürnberg griddisch


Tag: #014

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.12.2014
Titel: Ode an den Biergarten-Gadofflsälod


Ganz wie bei Muttern,
aus dem Plastikeimer geschaufelt,
undefinierbarer, ölig gelb glänzender Matsch
mit Brocken drin.

Du riechst säuerlich
wie schon mal gegessen.
Tot oder belebt?
Nahrungsmittel oder wässrige Knetmasse?

Wirst auf Wunsch auch zur Schwarzwälder Kirsch serviert.
Füllst den Teller,
bleibst doch meist darauf liegen,
fast jungfräulich unberührt,
aber sichtlich schwitzend.

Wirst dann entsorgt
- in Gorleben?
Oder beim nächsten Gast,
der deine Vorleben nicht kennt
und dich statt am Weggla bestellt.

Ewiger Kreislauf des Lebens.


Tag: #013

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.12.2014
Titel: Woody

Damit etwas Leben in die Bude kommt, haben wir uns übers Internet einen New Yorker Gehsteigspatzen als Haustier zugelegt: Er zirpt flüssig auf Jiddisch, hasst Taxifahrer & muss einmal in der Woche zum Tierpsychiater, sonst beginnt er zu hyperventilieren.


Tag: #012

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.12.2014
Titel: Logik - Endstufe

Es ist Unsinn das Fenster zuzumachen, weil es draußen kalt ist, denn davon wird es dort nicht wärmer.


Tag: #011

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.12.2014
Titel: Qed

Solange weder Physik noch Mathematik hinreichend erklären können, weshalb ein fallengelassenes Glas nie versehentlich heil bleibt oder ein Knäuel sich nie zufällig selbst entwirrt, während das Gegenteil dauernd passiert, sind sie keine Wissenschaften, sondern Hokuspokus.


Tag: #010

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.12.2014
Titel: TOD UND HASS FÜR PARAGUAY!


Dieses provozierend unbedeutende Schmarotzerland, das mitten in Südamerika rumkugelt und so seit seiner Gründung das Wachstum seiner Nachbarstaaten behindert, geht uns schon lange auf den Keks. Noch widerwärtiger als dieser Territorialbatzen sind aber seine hinterfotzigen Bewohner, die sich für etwas Besonderes halten, nämlich Paraguayer, und mehrheitlich einem obskuren Kult angehören, der einen angenagelten Hippie anbetet. Außerdem haben sie alle Hakennasen, Wulstlippen, Schlappohren und Plattfüße, stinken nach Knoblauch und sind nur auf Geld und Vögeln aus.

Deshalb sind wir für die sofortige Lösung der seit Jahrhunderten schwärenden Paraguay-Frage, indem seine Bevölkerung nackig in den Gran Chaco gejagt und dort sich selbst überlassen wird. Sollte die internationale Staatengemeinschaft unserer legitimen Forderung nicht nachkommen, wird unser bewaffneter Arm in völliger Übereinstimmung mit dem Völkerrecht Luxemburg mit selbstgebastelten Raketen beschießen, weil, weil ... - halt so und weil keiner Luxemburg wirklich braucht, oder?


Tag: #009

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 19.12.2014
Titel: Aus großer Zeit: Das fehlende Kapitel in der Autobiografie eines deutschen Kolonialhelden


Deutsch Ostafrika 1914: Oberstleutnant Paul von Lettow-Vorbeck (s. Denkmal, links, rechts ein dummer Neger), der spätere Sieger der Schlacht bei Tanga gegen die Briten, ist auf Safari und schießt einen Elefanten. Plötzlich treten einheimische Jäger aus dem Busch. Ihr Anführer reklamiert die Beute für sie, da es ihr Revier sei. Der schneidige preußische Offizier lehnt das Ansinnen der eingeborenen Wilden natürlich barsch ab.

In meinem Stamm ist es üblich, solche Konflikte zwischen echten Kerlen dadurch zu lösen, dass sie sich gegenseitig in ihre Dingdongs treten, schlägt der afrikanische Jägermeister dem Deutschen vor, der sich bei seiner Mannesehre herausgefordert sieht. Wer den Tritt besser verkraftet, hat gewonnen - ich habe Heimrecht, ich fange an!

Lettow-Vorbeck spannt jeden Muskel seines gestählten Adelskörpers, der Afrikaner holt aus und tritt zu. Der Getroffene fällt um wie vom Donner gerührt und windet sich minutenlang ächzend und jammernd auf dem Boden, wobei sein Gesicht ständig die Farben wechselt und er mit den Augen rollt.

Als er sich erholt und wieder erhoben hat, will der ostelbische Junker zurückschlagen. Da bremst ihn sein Kontrahent milde lächelnd mit den Worten: Du kannst den Elefanten behalten - das war mir der Spaß wert.


Link:

Wallt in ihren Adern nicht das Blut der Normannen?! - Ein deutscher Rassist 1938 in Afrika


Tag: #008

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 14.12.2014
Titel: Missglückter Mahnruf


Der weiße Mann hat Restaurants, Zentralheizung und Wasserklosetts.

Wir jagen den mächtigen Büffel, leben in bunten Tipis und gehen bei Wind & Wetter mit einem Büschel Gras in die Prairie.

Ehrlich gesagt: Manchmal fühle ich mich vom Großen Geist ziemlich verarscht.

Häuptling Sarkastischer Elch (1843 - 1878, wegen seines Defaitismus von seinen Stammesbrüdern skalpiert)


Tag: #007

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 14.12.2014
Titel: Fernöstliche Erkenntnis


Einst kamen zwei seiner Schüler zum Großen Schu Ka Tong, um seine Weisheit auf die Probe zu stellen, und sprachen: Meister! Wessen Mannes Kunst ist die größere: Der, dem es gelingt, den Lauf der Planeten zu bestimmen, oder der, der zwei Reiskörner aufeinanderstellen kann?

Der Greis lächelte milde, strich über seinen langen weißen Bart und antwortete: Meine Lieben! Eure Frage zeigt mir, dass ihr zu tiefen Gedanken fähig seid - v.a. wenn ihr schon wieder Opium geraucht habt. Aber jetzt solltet ihr besser ein Loch in der Landschaft lassen, sonst schiebe ich euch eure Reiskörner da rein, wo keine Sonne hinscheint.

Daraufhin trollten sich die Schüler mit dem Vorsatz, den Alten nie wieder zu veräppeln, denn seine Drohung klang schmerzhaft.


Link:

Manches bleibt anders: Vom Besuch einer chinesischen Delegation 1906 in Nürnberg bis zur Städtepartnerschaft mit Shenzhen


Tag: #006

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 21.04.2014
Titel: Bittere Ironie: Die alte neue Unordnung Osteuropas

Dieses strategisch wichtige Gebiet sollte unter einer starken, stabilen Herrschaft stehen, die heute realistischerweise nur Russland bieten kann.
Wladimir Putin in einer Rede am 31.03.2014 über die Krim

Die russische Einstellung ist grundsätzlich imperialistisch [...]. Sie wird angetrieben von einem Hunger nach neuen Grenzen und territorialer Expansion. Das ist unsere Aufgabe als Nation.
Mark Feygin, russischer Bürgerrechtsanwalt, der in den frühen 1990er Jahren auf serbischer Seite in Jugoslawien kämpfte, zitiert nach: Time Magazine, 31.03.2014.

Angesichts solcher Aussagen, in denen Panslawismus, russischer Messianismus und militärisches Denken des vorvergangenen Jahrhunderts fröhliche Urständ feiern, genau 100 Jahre nach Beginn des I. Weltkriegs und 160 Jahre nach Ausweitung des Krimkriegs zum europäischen Konflikt, während die Ukraine von Russland mittels Infiltration, Drohungen und Propaganda wie 1938 die Tschechoslowakei von den Deutschen sturmreif geschossen wird, fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine zurückkatapultiert in die jüngere europäische Geschichte.

Das Ergebnis der Verhandlungen in Genf wird ein wirtschaftlich nicht lebensfähiger, halbsouveräner Schrumpfstaat mit einer schwachen Zentralregierung sein wie die von Hitler nach dem Münchner Abkommen so bezeichnete Resttschechei, der bei der Regelung seiner inneren und äußeren Angelegenheiten seine mächtigen Nachbarn Russland und die EU um Erlaubnis fragen muss. Auch solche fragwürdigen Gebilde haben in Mittel- und Osteuropa ihre Vorläufer in den Operetten-Königreichen des Balkans bis 1940 und dem Satellitengürtel des Warschauer Pakts nach 1945.

Nur kurzsichtig Denkende ohne Geschichtswissen können sich die Entstehung eines solchen Vakuums im zweitgrößten europäischen Flächenstaat wünschen. Vielmehr bedeutet sie die Erosion der auf dem Völkerrecht basierenden Ordnung des Kontinents, die auch vor den östlichen NATO-Mitgliedern nicht haltmachen wird.

Spätestens seit den Vorgängen in der Ukraine wissen Polen, Litauer, Letten und Esten, dass zum Schutz ihrer Länder vor einer russischen Aggression kein Schuss aus einem deutschen Gewehr fallen wird und sich die US-Interessen ebenso unumkehrbar wie angesichts der Expansion Chinas ergebnislos nach Asien verschoben haben.

Man kann das Geschichts-Deja-vu mit den Schlagwörtern Domino-Theorie und Balkanisierung jederzeit weitertreiben: Absehbar wird das europäische Gefüge zunehmend fragil werden, mit immer mehr nicht aus eigener Kraft lebensfähigen Klientelstaaten wie jetzt schon Weißrussland, Moldawien, Bosnien-Herzegowina oder dem Kosovo. Momentan werden die aufbrechenden Konfliktpotenziale noch durch Geld- und Warenströme entschärft.

Russlands Vorgehen in der Ukraine mit seiner Option auf Anwendung militärischer Gewalt stellt bald 20 Jahre nach dem Jugoslawienkrieg eine neue Qualität dar. Allerdings steht es historisch gesehen in einer nur kurzzeitig durch den Zusammenbruch der Sowjetunion unterbrochenen imperialistischen Kontinuität von den Kriegen in Südosteuropa seit 1912 über Stalins Einverleibung der Länder zwischen Ostsee und Schwarzem Meer bis zu den Militärinterventionen 1956 in Ungarn und 1968 in der CSSR: Aus der Sicht der Herren im Kreml waren - unabhängig von ihrer jeweiligen Ideologie - Mittel- und Osteuropa schon immer Russlands Vorgarten.

Die Grenzen in Europa werden neu gezogen werden; dabei hat Putin den dicksten Bleistift, weil der Horizont des Westens faktisch an der Oder und sein Gedächtnis zwischen Zwölf und Mittag enden. Welche Rolle dabei Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte spielen werden, kann man sich unschwer ausmalen.

Wir befinden uns also nicht auf dem Weg zurück ins 19. Jahrhundert, wir sind schon mittendrin. Nur besitzt der Westen keine Staatsmänner wie Metternich oder Bismarck mehr, die zwar zynische Machiavellisten, aber weitblickend genug waren, um in ihrer Zeit in Zentraleuropa stabile Verhältnisse zu schaffen.

Die Zukunft steht in den Geschichtsbüchern, man muss sie nur richtig lesen.


Tag: #005

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 23.03.2014
Titel: Vom deutschen Unwesen

Angesichts des Weges, den das offizielle Deutschland mehrheitlich in den letzten 25 Jahren gegangen ist, drängt sich das Bild einer rückläufigen Welle auf: Das Wasser der westeuropäischen Aufklärung und modernen Zivilisation geht zurück und gibt den Blick frei auf den eigentlichen Grund - kleingeistige Selbstbezogenheit, träges obrigkeitshöriges Denken und Chauvinismus gegenüber allem, was nicht deutsch ist.

Der niederschmetternde Befund lautet, dass das Land der Deutschen nie wirklich Teil des zivilisatorischen Fortschritts war, der in Italien mit der Renaissance begann und über England, Frankreich und die USA zur Befreiung des Individuums führte. Die Vertreter solcher Ideen blieben hier immer Außenseiter, wurden gnädig in Ruhe gelassen, solange sie keine Gefahr für die Zustände darstellten, andernfalls gnadenlos verfolgt, manchmal instrumentalisiert, wenn man sein selbstgewähltes Image als Volk der Dichter und Denker pflegen wollte.

Tatsächlich ist Deutschland bis heute geprägt von seiner geographischen Grenzlage zu einer zugleich als minderwertig und bedrohlich wahrgenommenen Kultur des Ostens - die parallel dazu lange Zeit hindurch bestehende, v.a. interne Judenfrage wurde nachhaltig geklärt - und einer autoritären Herrschaftstradition von fast 1500 Jahren mit den entsprechenden Konsequenzen für die Gesellschaftsstruktur.

Das Wunder von 1945, als in den Westzonen aus mordbereiten Fanatikern und Mitläufern über Nacht überzeugte Pluralisten und Demokraten wurden, hielt innen- wie außenpolitisch nur solange vor, wie der Druck des Ost-West-Konflikts bestand, wobei ohnehin der gesellschaftliche Konsens nicht in Frieden, Freiheit und Vielfalt, sondern einem strikten, mit rassistischen Motiven vermischten Antikommunismus lag. Der scheinbar erfolgreichen Demokratisierung des Westens entsprach die plötzliche Begeisterung des Ostens für den Sozialismus - die Deutschen waren immer gelehrige Schüler, willige Untertanen und ansonsten wertefrei, wenn nur die materielle Seite der Bilanz stimmt. Folgerichtig kam der Zusammenbruch der DDR nicht aus der Erkenntnis, dass der Marxismus nicht funktioniert - was der Kapitalismus auch nicht tut -, sondern als klar wurde, dass die Konsummöglichkeiten niemals das Niveau des Westens erreichen würden.

Seit 1989 besteht auf das vereinigte Deutschland kein Außendruck mehr. Es ist unangefochten die größte Wirtschaftsmacht in Europa und kann es sich finanziell leisten, in der EU einen Apparat mit zu unterhalten, der ihm einerseits die Übernahme von Verantwortung erspart, andererseits seine Nachbarn zugleich bei Laune und unter Kontrolle hält. Die deutsche Hegemonie ist Fakt, erneute Aggression, vor der die Welt nach zwei von hier ausgehenden Weltkriegen lange Zeit Angst hatte, ausgeschlossen, da die deutschen Regierungen gelernt haben, dass Macht nicht auf Armeen, sondern großzügig zu verteilenden Steuereinnahmen der Bürger beruht.

Die Mehrheitsbevölkerung hat ansonsten keine Ziele außer der materiellen Besitzstandwahrung, worin sie durch das Dauerbombardement der Konsumkultur bestärkt wird. Ein so beschränkter Horizont macht es freilich unmöglich, sich außer mit dem Geldbeutel in internationalen Konflikten zu engagieren: Man scheut eindeutige Positionen, philosophiert pseudopazifistisch über die prinzipielle Verwerflichkeit kriegerischer Auseinandersetzungen (wenn sie weit genug weg und keine Eigeninteressen tangiert sind) und überlässt es ggf. Amerikanern, Franzosen und Briten, ihren Kopf hinzuhalten - um besserwisserisch über sie herzuziehen, wenn etwas schiefläuft.

Die allgegenwärtige gutmenschliche Betroffenheitskultur bietet kein Lösungsansätze, nur individuelle Gewissensberuhigung: Indem man Dämmplatten ans Haus schraubt, verhindert man die Klimakatastrophe und somit, dass das hungernde Kind in Bangladesch auch noch absäuft. Freilich fährt man weiterhin mit dem Auto zum Einkaufszentrum auf der früher grünen Wiese, weil die Industrie verspricht, dass aus dem Auspuff mittlerweile reiner Wasserdampf mit Fichtennadelgeruch kommt. - Manipulation funktioniert letztlich nur, wenn sie auf Menschen trifft, die sich manipulieren lassen wollen. Dies ist immer der Fall, wenn man sich dadurch mühevolles Selbstdenken erspart.

In dieser behaglichen Weltsicht haben es sich Regierende und Regierte gemütlich gemacht, wenn auch natürlich nicht alle gleichermaßen vom kontinuierlich über 70 Jahre gewachsenen System profitieren: Die Verlierer werden mit jederzeit entziehbaren Almosen sediert. Im Konsens, dass Reflexion, neues Denken und Veränderung schlecht sind, wählen die Wähler in einem Ritual aus der Kaste der Parteipolitiker ihre Vertreter, deren Auftrag es ist, nichts zu tun, was den Gesamt-Status-Quo entscheidend ändern würde, z.B. mit einer Umschichtung des Vermögens durch eine gerechtere Bewertung des Produktionsfaktors Arbeit gegenüber dem Kapital.

Dies entspricht den Interessen der Nutznießer der bestehenden Verhältnisse. Kommt doch einmal Unruhe auf, wird sie durch Angst- oder Ablenkungsstrategien neutralisiert: Arbeitslosigkeit, Inflation, Statusverlust, Krankheit, Alter - Desinformation. Exekutive und Jurisdiktion sind zu reinen Instrumenten der Stabilisierung verkommen, eine gegenseitige Korrektur oder Kontrolle findet nicht wirklich statt, da man aufs engste personell und institutionell miteinander verflochten ist und nicht als Nestbeschmutzer gelten möchte - auch wenn dies eigentlich dem Verfassungsauftrag entspräche.

Im globalen Trend liegt, dass das Ergebnis auf den ersten Blick nicht etwa repressiv, sondern grenzenlos tolerant und politisch korrekt wirkt: Minderheitenprobleme werden bis zur Unerträglichkeit ausgewalzt und allenthalben Schutzrechte geschaffen, während das große Ganze aus dem Blickfeld gerät und paternalistische Eingriffe ins Privatleben - zum eigenen Wohl des dafür zu dummen Bürgers - zur Regel geworden sind. Verräterisch ist allerdings, dass die deutsche Spielart des Bemutterungsstaates auf von westlichen Werten geprägte Menschen vergleichsweise wenig Anziehungskraft ausübt, was sicher nicht mehr an der NS-Vergangenheit liegt.

Natürlich gibt es hier und heute auch eine Minderheit, die die Fehlentwicklungen erkennt, wider den biologischen Lauf der Dinge mehr unter den Älteren, da sie noch andere Verhältnisse kennen und nicht in einer 24/7-Matrix aus künstlichen Reizen aufgewachsen sind. Wie früher die Duodezfürsten hält man sich einige Hofnarren, die dagegen schreiben, sprechen oder singen dürfen. Aber auch sie wissen mehr oder weniger intuitiv um ihre Grenzen und haben die Schere schon im Kopf, denn wer es sich durch allzu große Widerborstigkeit mit dem System verdirbt, fliegt aus dem Medien- und damit Kohlekarussell. Ansonsten bleibt man auch im Widerstand unter sich und erhebt schon gar nicht mehr den Anspruch, außerhalb seiner eigenen sozialen Splittergruppe etwas bewirken zu wollen; so macht man es den Herren leicht.

Die Demographie wird durch den Zustrom von Menschen aus Osteuropa, dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten die neofeudalen Strukturen endgültig zementieren, denn mehrheitlich sind sie von undemokratischen und antipluralistischen Kulturen geprägt, die sich mit dem deutschen Geist zu einem statischen, bildungsfeindlichen und obrigkeitlichen Gemisch verbinden werden - eine intellekt- und wertelose Mad-Max-Wüste, in der faktisch das Recht des Stärkeren, Reicheren, Mächtigeren, Intriganteren oder Korrupteren gilt.

Deutschland ist heute von außen und innen betrachtet eine metallicschwarz glänzende Zuhälterlimousine mit getönten Scheiben, deren Navi unbeirrbar auf Eigennutz, Konsum und ansonsten Maulhalten programmiert ist. Ihr kraftstrotzender Motor röhrt freilich nur auf dem Standstreifen der Autobahn in die Zukunft, denn am Steuer sitzen geistige Frührentner, die Den Förster vom Silberwald für die größte Hervorbringung ihrer Zivilisation halten. Das Ziel der Fahrt ist ein maghrebinisches Straßencafé mit Dauerbespaßung - solange das Geld reicht.


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Seyran Ates: Der Multikulti-Irrtum (teribloG Rezensionen)


Tag: #004

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 09.02.2014
Titel: Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Das Kapital

* Eine grundlegende, wenn auch nicht die alleinige Ursache zahlreicher entscheidender Fehlentwicklungen weltweit ist die zuvor noch nie in diesem Ausmaß existierende Verfügbarkeit astronomischer Summen ungebundenen zirkulierenden Kapitals seit 1990. Ein erstes Anzeichen dafür war das Platzen der Dotcom-Blase 2000, bei dem unvorstellbare Mengen von Geld vernichtet wurden. Keine zehn Jahre später waren die Finanzmärkte bereits wieder so mit rein spekulativ oder verbrecherisch schlecht angelegtem Kapital überflutet, dass die Regierungen mit Steuermitteln in Milliardenhöhe ihren Zusammenbruch verhindern mussten.

* Selbst konservative Wirtschaftswissenschaftler erkennen eine langfristige Fehlentwicklung, in der die Politik den Produktionsfaktor Kapital gegenüber der Arbeit begünstigt, indem sie z.B. die Steuern für multinationale, rechtlich nicht greifbare Konzerne niedrig hält und dafür Regierungsprogramme abwürgt, die Armen und Arbeitslosen zugute kommen würden. Gewinne sind Privateigentum, Verluste in Milliardenhöhe werden sozialisiert, wie die letzte Bankenkrise bewiesen hat.

* Alle Experten sind sich einig, dass selbst nach der vergangenen Krise der Finanzwirtschaft noch oder schon wieder zu viel Kapital auf den Märkten vorhanden ist. Dem Nicht-Insider ist unerklärlich, woher es stammt, wem es gehört und womit es verdient wurde. Es wäre die Aufgabe der Politik, diesen Überfluss wirtschaftlich wirklich nutzbar zu machen, indem sie die Geldströme in Bahnen lenkt, die produktiv sind und der Allgemeinheit nutzen.

* Die Ursache der wirtschaftlichen Globalisierung und der damit verbundenen positiven Entwicklung bisher benachteiligter Regionen war der weltweite, ständig wachsende Überschuss an Kapital. Damit steht dieser Aufschwung auf tönernen Füßen, da seine Grundlage weder räumlich, politisch, legal noch kulturell oder ethisch gebunden ist und deshalb jederzeit entzogen werden kann.

* Geld ist der volatilste Produktionsfaktor, der durch Konkurse oder Inflation im Handumdrehen vernichtet werden kann. Trotz dieser Binsenweisheit dominiert es heute das wirtschaftliche und politische Handeln. Sollten in einer Situation das ungebrochen spekulative, risikoreiche Verhalten der Finanzkreise mit einer Handlungsunfähigkeit der Regierungen als ihren faktischen Versicherungen zusammentreffen, die dann entweder mit erhöhtem Steuerdruck auf ihre Bürger oder weiterer Verschuldung reagieren, wird das spannungsreiche, aber bisher durch die Verfügbarkeit von Kapital mühsam zusammengehaltene internationale und gesellschaftliche Gefüge zusammenbrechen.


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Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Analyse als Voraussetzung


Tag: #003

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 09.02.2014
Titel: Ungeordnete Gedanken zur globalen Dauerkrise von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik: Analyse als Voraussetzung

* Die Gretchenfrage lautet: Wie funktioniert das System? Solange mir das keiner erklären kann, spiele ich nicht mit. Vielleicht geht es heute nicht mehr so sehr darum, den sprichwörtlichen Elefanten in seiner Gesamtheit zu erkennen, sondern herauszufinden, wo seine Eier sind - und dieses Wissen entsprechend zu nutzen.

* Nichts hält die Mächtigen besser in Schach als die unablässige Frage nach dem Warum ihres Handelns, da sie sie zu Begründung und Rechtfertigung zwingt; diese Frage ist ein Grundrecht!

* Oft endet die Analyse nicht mit einer Antwort, sondern - frustrierenderweise - einer neuen Frage, da heute z.B. noch nicht klar ist, ob ein Phänomen einen neuen Prozess auslösen wird. Das ist der Unterschied zu einer in sich abgeschlossenen Ideologie und keine Schwäche, sondern Stärke dieser Denkungsweise.

* Im Gegensatz zur Geschichte kann bei der Analyse laufender Prozesse nicht der Test of Time als Kriterium für die Dauerhaftigkeit eines Phänomens vorausgesetzt werden. Bei Entwicklungen ist nicht absehbar, ob sie dauerhaft, vorübergehend oder ein Irrweg sind, erst recht ist ihr Ergebnis unklar.

* Analyse ist eine dauernde, ergebnisoffene Aufgabe, die die Fehlerhaftigkeit von Erkenntnissen berücksichtigen muss und damit ihre Revisionsbedürftigkeit. Statische Denkmuster eigenen sich nicht zum Verständnis von Prozessen, weshalb auch die Parameter der Analyse auf ihre Gültigkeit überprüft werden müssen.

* Voraussetzungen der Analyse sind das Verstehen von Kausalzusammenhängen und ihre Abstraktion, um die Erkenntnis übertragbar zu machen. Jede Konsequenz kann die Ursache neuer Entwicklungen sein. Zum Verständnis der Abläufe müssen ohne Scheuklappen alle vorhandenen Theorien nutzbar gemacht werden, auch z.B. die marxistische.

* Der Erkenntniswille der Menschen ist begrenzt wie in einem Pilotenspiel: Keiner will genau wissen, wie es funktioniert, solange man gewinnt.

* Verschwörungstheorien sind nicht zielführend. Was planvoll wirkt, ist tatsächlich nur das Ergebnis der mehr oder weniger zufälligen Interessenkongruenz von Gruppen, die die Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele haben und zusammenwirken, ein soziales Organisationsprinzip, das schon bei den ersten Menschen wirksam war, nur heute neue Dimensionen angenommen hat.

* Monokausale Erklärungsmuster führen nicht weiter. Als Alternative bieten sich die komplexen Modelle der Kybernetik mit Regelkreisen und Rückkopplungen an, die jedoch schwierig zu erstellen und zu handhaben sind. Deshalb und aus ideologischen Gründen - die Kybernetik gilt durch ihre Verfechter im früheren Ostblock als kontaminiert und diskreditiert - werden ihre Ansätze trotz der offenkundigen Mängel des analytischen Instrumentariums nicht mehr verfolgt.


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Phrasenschatz & Handlungsanleitung für das Krisenmanagement


Tag: #002

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Autor: Gerhard Jochem
Datum: 09.02.2014
Titel: Blog Die Rolle





In diesem Blog schlagen meine Sach- oder literarischen Texte auf, die nicht in das bereits vorhandene Gefüge von Online-Plattformen und -Kanälen passen (s. Links), über das ich mich seit bald 15 Jahren verbreite. Ziemlich egoistisch verschaffe ich mir dadurch eine Alternative zur digitalen Schublade, in der sie sonst ungelesen und unkommentiert verstauben würden.

Die Rolle wird so absehbar ein buntes Sammelsurium werden, als Ganzes das kreuz- und quervernetzte, sortierte Durcheinander meines Denkens abbilden; der einzelne Post wird hoffentlich einen Erkenntnis- oder Unterhaltungswert besitzen.

Selbstverständlich unterliegen sämtliche Texte und Grafiken (soweit nicht anders gekennzeichnet) meinem Copyright und sind als Urheber mein geistiges Eigentum. Wer sie ohne meine Genehmigung mittels Kopieren aus dem Zusammenhang dieses Blogs herauslöst und andernorts ganz oder teilweise auch in veränderter Form veröffentlicht, kriegt ein Problem, ditto gilt für den inhaltlichen Ideenklau.

Den interessierten Leser(inne)n wünsche ich viel Vergnügen und würde mich über ein Feedback (info[ät]testimon.de) freuen.

Links zu meinen anderen Wirkungsstätten im Internet:

Websites

http://www.testimon.de (Verlag & Veranstaltungen)

http://rijo-research.de
(Zeit & Geschichte)

http://www.transit-nuernberg.de
(unsere Publikationsreihe)

http://www.teriblog.de
(unser aktueller Blog)

http://www.rijo.homepage.t-online.de/griddisch_01.html
(Nürnberg-Blog)


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